Montag, 15. September 2014

Falldiskussion

Dr. Gerhäuser: Hopfen ist für die Chemoprävention sehr interessant.

Dr. Clarissa Gerhäuser, Epigenomik u. Krebsrisikofaktoren, DKFZ Heidelberg

31.05.2011
Von: Christine Vetter
Artikel Nummer: 17636
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Schützen Äpfel, Brokkoli & Co. vor Krebs?

Viele Jahre wurde „Fünf am Tag“ propagiert um Krebs vorzubeugen. Lassen sich für einzelne Nahrungsmittel klare Effekte nachweisen, Frau Dr. Gerhäuser?


Schützt der regelmäßige Verzehr von Äpfeln und das Trinken von Apfelsaft wirklich vor Krebs?

Dr. Gerhäuser: Wir haben uns vor allem mit der Prävention von Darmkrebs beschäftigt und im Mausmodell gezeigt, dass das regelmäßige Trinken von Apfelsaft bei den Tieren das Auftreten von Tumoren im Dünndarm um 30 bis 40 % senkt. Beim Menschen konnten wir nachweisen, dass beim Trinken von Apfelsaft die antioxidative Kapazität im Dünndarm erhöht wird.


Das legt die Vermutung nahe, dass vermehrt oxidative Radikale weggefangen werden können, was durchaus mit einem erniedrigten Risiko für Darmkrebs einhergehen kann. Entscheidend hierfür sind vermutlich vor allem die in den Äpfeln enthaltenen Polyphenole.

Es ist in den vergangenen Jahren immer wieder ein krebspräventiver Effekt für die verschiedensten Nahrungsmittel und vor allem für Obst und Gemüse propagiert worden, ohne dass sich dies in Studien belegen ließ. Ist nicht doch der Einfluss der Ernährung auf Krebserkrankungen überschätzt worden?

Dr. Gerhäuser: Wenn man sich die Ergebnisse großer epidemiologischer Studien anschaut, kann man durchaus zu dieser Schlussfolgerung kommen. Denn die Evidenz für Zusammenhänge war deutlich geringer als erwartet und viele Hypothesen der 90er Jahre haben sich leider nicht eindeutig bestätigen lassen. Wir setzen jetzt verstärkt auf prospektive Kohortenstudien, wodurch die Datenlage sicherer und solider wird.


Auch wenn die epidemiologischen Belege fehlen, müssen wir aber doch weiter forschen und ergründen, ob bestimmte, in der Nahrung enthaltene Substanzen krebserregend oder krebshemmend wirksam sind. Man muss sich dabei bewusst sein, dass die Ernährung ein hochkomplexer Prozess ist und wir mit vielen verschiedenen Variablen zu kämpfen haben.

Sie haben für Inhaltsstoffe des Hopfens positive Effekte nachweisen können. Wie viel Bier muss man trinken, um eine Krebsprävention zu erwirken?

Dr. Gerhäuser: Durch Biertrinken Krebs vorzubeugen ist utopisch. Man müsste dazu täglich mehrere Hundert Liter Bier zu sich nehmen, um ausreichende Mengen des Inhaltsstoffs Xanthohumol im Hopfen zu erzielen. Hopfen ist dennoch für die Chemoprävention von Krebserkrankungen eine sehr interessante Substanz.


Wir haben Hinweise darauf gefunden, dass Xanthohumol vor allem das Risiko der Entstehung hormonabhängiger Tumoren zu reduzieren scheint. Die Substanz hat außerdem zellwachstumshemmende Effekte und wirkt der Angiogenese entgegen. Sie bietet damit ein ganzes Spektrum an Aktivitäten, deren Kombination tatsächlich chemopräventiv wirksam sein könnte.


Derzeit arbeiten wir daran, den Wirkstoff, der nur schlecht oral verfügbar ist, soweit zu entwickeln, dass er möglicherweise pharmakologisch nutzbar wird. Der Hopfen ist damit auch ein Beispiel dafür, dass wir durch systematische Forschung eines Tages vielleicht die in Nahrungsmitteln ohne Zweifel vorhandenen chemoprotektiv oder auch therapeutisch wirksamen Substanzen zu effektiven Krebstherapeutika werden entwickeln können.

 

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