Darauf müssen Eltern bei veganer bzw. vegetarischer Kinderernährung achten

Autor: Dr. Alexandra Bischoff

Wenn Babys den veganen oder vegetarischen Lebensstil der Eltern übernehmen sollen, muss gegebenenfalls auf Supplemente zurückgegriffen werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. © iStock/LeManna

Veganer oder Vegetarier von Anfang an? Grundsätzlich spricht nichts dagegen – solange die Eltern wissen, wie sie einem Mangel an Eisen, Vitamin B12 und anderen Nährstoffen vorbeugen.

Immer mehr Familien ernähren sich hierzulande vegetarisch oder vegan. Zwar liefert ein fleisch- und fischloser bzw. rein pflanzlicher Speiseplan neben den Vitaminen C und E auch reichlich Thiamin, Folat sowie b-Carotin – doch wie sieht es mit Eisen, Zink oder Vitamin B12 aus? Häufig werden die Referenzwerte für die einzelnen Nährstoffe nicht erreicht. Deshalb bedürfen insbesondere Eltern mit Säuglingen oder Kleinkindern einer Aufklärung und Beratung durch den Kinder- und Jugendarzt, schreiben Dr. Ute Alexy vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn und Kollegen.

Eisen

Die Bioverfügbarkeit von pflanzlichem Nicht-Hämeisen beispielsweise aus Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten oder Nüssen ist deutlich schlechter als bei Hämeisen aus Fleisch. Die Versorgung mit dem Spurenelement lässt sich aber durch Vitamin-C-reichen Saft oder Rohkost in der Mahlzeit verbessern. Risikogruppen für einen Eisenmangel sind neben älteren Säuglingen und Kleinkindern vor allem weibliche Jugendliche. Deshalb ist es sinnvoll, den Eisenstatus vegetarisch oder vegan ernährter Kinder regelmäßig zu kontrollieren und bei Eisenmangel entsprechend zu supplementieren.

Zink

Pflanzliche Zinkquellen sind Vollkorngetreide, Pseudocerealien wie Amaranth oder Quinoa sowie Nüsse und Hülsenfrüchte. Das in pflanzlichen Samen enthaltene Phytat verringert die Absorption, Zitronen- und Milchsäure (nicht aber Vitamin C!) verbessern sie.

Protein

Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Nüsse sind zwar proteinreich. Allerdings ist die Qualität der Eiweiße nicht mit der aus Milch vergleichbar, mit Ausnahme des Sojaproteins. Diese kann nahezu erreicht werden, indem man über den Tag verteilt verschiedene pflanzliche Proteinquellen miteinander kombiniert, beispielsweise Hülsenfrüchte (reich an Lysin) mit Getreide (reich an Methionin) in Form von Vollkornspaghetti mit Linsenbolognese. Die Experten raten bei veganer Kinderernährung, die Proteinzufuhr gegenüber den Empfehlungen um 30 bis 35 % (< 2 Jahre) bzw. 20 bis 30 % (2 bis 6 Jahre) zu erhöhen.

Kalzium und Vitamin B2

Reich an Kalzium und Vitamin B2 sind neben Nüssen und Hülsenfrüchten auch verschiedene Gemüse­sorten wie beispielsweise Grünkohl oder Brokkoli. Einige pflanzliche Milch­alternativen auf Basis von Soja, Getreide oder Nüssen werden auf Höhe des Kalziumgehalts bzw. den Vitamin-B2-Gehalt von Kuhmilch (120 mg bzw. 180 mg pro 100 g) angereichert. Auch kalziumreiches Wasser (mindestens 400 mg/l) und mit Kalzium angereicherte Fruchtsäfte können die Zufuhr mit dem Mineralstoff verbessern.

Vitamin B12

Insbesondere Veganern, aber auch Vegetariern wird empfohlen, den täglichen Bedarf an Vitamin B12 über Supplemente zu decken. Vit­amin-B12-angereicherte Lebensmittel wie beispielsweise Multivitaminsäfte oder Frühstückscerealien sowie spezielle Zahncremes oder Zahngele können die Einnahme ergänzen. Vor allem voll gestillte Säuglinge von Müttern, die sich vegan ernähren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Mangel. Daher sollten besonders diese Frauen auf eine konsequente Zufuhr des Vitamins achten und der Nachwuchs sollte gleich nach der Geburt selbst Supplemente erhalten. Ferner ist es ratsam, bei vegan ernährten Kindern regelmäßig den Vitamin-B12-Status zu kontrollieren.

Jod

Meeresalgen enthalten viel Jod und können beispielsweise getrocknet als Flocken über Salate, Suppen oder aufs Brot gestreut werden. Alternativ können auch Jodsupplemente eingenommen werden. Veganer sollten zusätzlich jodiertes Speisesalz verwenden. Schwangeren und Stillenden wird unabhängig von ihrer Ernährungsweise empfohlen, Jod zu supplementieren (100 bis 150 mg/Tag). Bei Säuglingen sollte das hingegen nur erfolgen (50 mg/Tag), wenn der Brei selbst gekocht ist oder nicht-angereicherte kommerzielle Beikostprodukte verwendet werden.

Quelle: Alexy U et al. Kinder und Jugendarzt 2019; 50: 240-245