Defibrillatoren sollen die Rate plötzlicher Herztode bei Sportlern senken

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Defis und Anleitung zu Sofortrettungsmaßnahmen sollen den plötzlichen Herztod besser verhindern als die Beratung Gefährdeter. © iStock/hohl

Sogar bei kardialer Erkrankung lässt sich das individuelle Risiko für ein unerwartetes Herz-Kreislauf-Versagen nur schwer kalkulieren. Gegen den Sekundentod beim Sport sind Defibrillatoren daher wohl noch der beste Schutz.

Das Thema plötzlicher Herztod bei Sportlern ist in den Medien recht präsent. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der plötzliche Herztod bei Athleten insgesamt ein sehr seltenes Ereignis ist, stellen zwei kanadische Mediziner in einem Übersichtsartikel klar. Alles in allem habe sowohl der Breiten- als auch der moderate Wettkampfsport große Bedeutung für die Herzgesundheit der Menschen.

Ab 35 Jahren ist die KHK die häufigste Ursache

Für die meisten Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Hypertonie oder koronarer Herzkrankheit reduziert regelmäßiges, angepasstes Ausdauertraining den krankheitsfördernden Ab- und Umbau von Herzmuskelgewebe, schreiben Dr. Yehia Fanous und Dr. Paul Dorian, beide Universität Toronto. Auch angepasstes intensiveres Intervalltraining gilt selbst bei Herzinsuffizienz trotz leicht erhöhtem Restrisiko als sicher. Vorsicht hingegen ist geboten bei der arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie, bei der höhere Belastungsintensitäten den Krankheitsprogress beschleunigen können.

Die Empfehlungen zur Prävention des plötzlichen Herztodes bei Wettkampfsportlern sind uneinheitlich, stellen die beiden Kardiologen fest. Vorbestehende kardiale Anomalitäten können das Sterberisiko erhöhen, wenngleich es im Einzelfall vor allem bei Athleten unter 35 Jahren kaum vorhersehbar ist. Über 35 ist eine vorbestehende koronare Herzerkrankung die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod während der Belastung.

Schwindel, Brustschmerzen oder Ohnmacht beim Training?

In der Primärversorgung scheint ein abgestuftes Vorgehen sinnvoll zu sein. Gescreent wird mit Fragen nach Schwindelattacken, Ohnmachten oder Brustschmerzen während oder unmittelbar nach dem Sport sowie nach einer möglichen familiären Belastung. Die körperliche Untersuchung umfasst vor allem die Messung des Blutdrucks in beiden Armen sowie die Herzauskultation.

Ein EKG bleibt denjenigen mit verdächtigen Befunden vorbehalten. Ob dann allerdings bei tatsächlich vorhandenen Herzschäden oder -anomalien das Sterberisiko erhöht ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Zudem kann es in Abhängigkeit von Sportart und Trainingsaufbau stark variieren. Diese Unsicherheiten sollten schon vor der EKG-Untersuchung klar sein und mit dem Patienten – am besten gemeinsam mit einem Spezialisten – besprochen werden.

Verbessert werden sollte allerdings die Verfügbarkeit von Defibrillatoren und Anleitungen zu Sofortrettungsmaßnahmen an den Sportstätten. Das, so glauben die Autoren, dürfte die Rate von plötzlichem Herztod bei Athleten wahrscheinlich nachhaltiger reduzieren als aufwendige Beratungen der Gefährdeten. 

Quelle: Fanous Y, Dorian P. CMAJ 2019; 191: E787-E791; doi: doi.org/10.1503/cmaj.190166