Funktionsweise verschiedener Chemotherapien mittels DNA-Profilen aufdecken

Autor: Friederike Klein

Je nach Chemotherapieregime scheinen sich die Markergene für die Identifikation von Hochrisikopatienten zu ändern. © iStock/lvcandy

Gensignaturen sollen beim follikulären Lymphom helfen, Patienten mit hohem Progressionsrisiko auszumachen. Die Tests scheinen aber nicht bei jeder Therapie gleich zu funktionieren.

Bisher wurden eine 23-Gen-Expressionssignatur und eine 6-Gen-T-Effektor-Signatur erfolgreich zur Identifikation von Hochrisikopatienten mit de novo follikulärem Lymphom (FL) eingesetzt, die mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Daunorubicin, Vincristin, Prednison) oder CVP (Cyclophosphamid, Vincristin, Prednison) behandelt wurden. Nun wurden diese auch bei Patienten getestet, die mit Bendamustin behandelt wurden.

Hochrisikopatienten werden zu Niedrigrisikogruppe

Das Ergebnis: Die nach den Gensignaturen als Hochrisikopatienten eingestufte Gruppe war bei Therapie mit Bendamustin plötzlich die Gruppe mit niedrigem Risiko, wie Dr. Christopher Bolen, Genentech, San Francisco, berichtete. Dieses unerwartete Resultat deute darauf hin, dass der prädiktive Wert der Gensignaturen abhängig von der jeweiligen Therapie ist.

Möglicherweise müssen auch andere Risikoscores noch einmal daraufhin überprüft werden, ob sie nicht ebenfalls abhängig von der Chemotherapie unterschiedliche hohe und niedrige Risiken ergeben, gab der Referent zu bedenken. Das gelte aber nicht für klinische Scores wie den Follicular Lymphoma International Prognostic Index.

Bendamustin statt CHOP oder CVP einsetzen

Die Ergebnisse haben aber auch ihr Gutes. Möglicherweise verbergen sich dahinter Hinweise auf Mechanismen, die für die Stratifizierung der Chemotherapien verwendet werden können. Insbesondere Gene, die Zellmigration und Immunregulation beeinflussen, scheinen den entgegengesetzten Therapieeffekt widerzuspiegeln. Dieser Beobachtung sollte daher wissenschaftlich nachgegangen werden, meinte Dr. Bolen. Möglicherweise kann zudem Bendamustin gezielt bei der CHOP/CVP-Hochrisikobiologie eingesetzt werden, weil die Effektivität des Wirkstoffs bei diesen Patienten offensichtlich nicht vermindert ist. 

Quellen:
Bolen C et al. EHA-Kongress 2019; Abstract S100
24. Kongress der European Hematology Association (EHA)