Herzgefahr durch Neurodermitis?

Autor: Dr. Dorothea Ranft

Auch Staphylococcus aureus-Bakterien fühlen sich auf der Haut des Neurodermitikers wohl. © iStock/selvanegra

Die atopische Dermatitis wird von einer systemischen Entzündung begleitet. Drohen Betroffenen deshalb Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall?

Kennzeichen der atopischen Dermatitis ist zwar die Th2-dominierte Entzündung der Haut, aber es finden sich auch vermehrt Zytokine und eosinophile Granulozyten im Serum, sodass man inzwischen von einer systemischen Inflammation ausgeht. Ähnlich wie die Psoriasis könnte also auch das atopische Ekzem ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse sein, schreiben Dr. Stephan Traidl und Professor Dr. Thomas Werfel von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Herpes simplex mag Neurodermitiker

Bis zu 10 % der Patienten mit atopischer Dermatitis zeigen im Zuge der Erkrankung disseminierte kutane Infektionen. Das Eczema herpeticatum, verursacht durch das Herpes-simplex-Virus, stellt die häufigste Form dar. Charakteristisch sind nicht-gruppierte Vesikel, die mit Fieber und Abgeschlagenheit einhergehen. Die Effloreszenzen finden sich typischerweise im Gesicht, können aber am gesamten Integument auftreten. Es kann zu Organmanifestationen kommen, etwa zu einer Enzephalitis oder Hepatitis.

US-amerikanische Studien zeigten zudem ein erhöhtes Adipositas- und Hypertonierisiko der Neurodermitis-Patienten. Obendrein deutet eine britische Arbeit auf ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskuläre Todesfälle bei schwerem atopischem Ekzem hin, was Studien aus Deutschland, Dänemark und Kanada aber nicht bestätigen. Auch für den Diabetes mellitus als Begleiterkrankung der atopischen Dermatitis besteht keine eindeutige Evidenz. Eine US-Studie fand bei erwachsenen Neurodermitikern zwar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Diabetes, differenzierte aber nicht zwischen Typ 1 und Typ 2.

Die Verbindung zwischen Neurodermitis und dermatologischen Autoimmunerkrankungen wie der Alopecia areata ist schon länger bekannt. Darüber hinaus zeigte sich nach Auswertung von Daten deutscher Krankenkassen ein erhöhtes Risiko für rheumatoide Arthritis und die chronisch-entzündlichen Darm­erkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Analyse des nationalen dänischen Registers brachte ferner eine Assoziation mit Kollagenosen zutage. Widersprüchliche Ergebnisse finden sich zum möglichen Zusammenhang zwischen atopischer Dermatitis und verschiedenen Tumoren.

Aufgrund der aktuellen Daten kann man weder von einer erhöhten noch von einer erniedrigten Gefährdung sprechen, so die Autoren. Allgemein sind Patienten mit der Hauterkrankung empfänglich für bakterielle, virale und mykotische Infektionen. Hautinfekte werden am häufigsten durch Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes ausgelöst, die zu System­erkrankungen wie Osteomyelitis, Endokarditis oder septischer Arthritis führen können.

Quelle: Traidl S, Werfel T. Internist 2019; 60: 792-798