Impetigo: Schutzmaßnahmen und Behandlung

Autor: Friederike Klein

Erst entstehen die Bläschen und anschließend kommen die honiggelben Krusten zum Vorschein. © wikimedia/US Gov; wikimedia/Evanherk

Eine Impetigo contagiosa heilt bei vielen Kindern innerhalb einer Woche spontan ab. Dennoch sollten Eltern in jedem Fall über zu ergreifende Schutzmaßnahmen aufgeklärt werden. Denn die Erkrankung ist – nomen est omen – hochkontaginös.

Häufig verbirgt sich bei Kindern, seltener auch bei Erwachsenen, hinter gelben Krusten eine Impetigo contagiosa. Hinweisend in der Anamnese sind mitbetroffene Kontaktpersonen. Vielfach liegt auch ein atopisches Ekzem als Prädispositionsfaktor vor, erläuterte Privatdozent Dr. Hagen Ott, Chefarzt für pädiatrische Dermatologie und Allergologie am Kinder- und Jugendkrankenhaus „Auf der Bult“ in Hannover.

Häufige Dermatose auch unter Tropenrückkehrern

Oft beginnt der Infekt mit erythematösen Papeln und Papulovesikeln. Platzen sie, bilden sich die typischen honiggelben Krusten, vor allem in exponierten Körperarealen. Häufig gibt es nicht nur einen Herd, sondern auch Satellitenläsionen durch Autoinokulation. Die Impetigo contagiosa ist die häufigste kutane Infektionserkrankung bei Kindern und hochansteckend. Auch ein Drittel der Dermatosen bei Tropenrückkehrern entspricht einer Impetigo contagiosa, sagte der Dermatologe. Erreger sind Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes.

Eine weitergehende dermatologische Diagnostik ist laut Dr. Ott nicht erforderlich. Es sollte aber eine Behandlung erfolgen, auch wenn 40 % der Infekte innerhalb einer Woche abheilen. Denn die Ansteckungsgefahr für Kontaktpersonen in Familie, KiTa und Schule ist hoch. Außerdem besteht ein Risiko für sehr seltene schwere Komplikationen wie Sepsis oder Osteomyelitis, vor allem bei großflächigen Herden.

Immer sollten Eltern über Allgemeinmaßnahmen aufgeklärt werden, die die Ansteckungsgefahr verringern. Dazu gehören:

  • gründliche Körperhygiene
  • Fingernägel kurz halten
  • Handtücher jeden Tag wechseln
  • Kleidung, Handtücher und Bettwäsche bei 60 °C waschen.

Bei der Mehrzahl der Patienten genügt laut dem Experten eine topische Therapie. 2%ige Fusidinsäurecreme, zwei- oder dreimal täglich angewendet, ist zumindest bei kleinflächigen Herden ebenso wirksam wie orale Anti­biotika. „Hier haben wir im Rahmen der Anti­biotic Stewardship die Möglichkeit, sparsam vorzugehen“, betonte Dr. Ott.

Achtung: Systemische Impetigo sieht aus wie Verbrühung

Bei hämatogener Streuung des exfoliativen Toxins kann es bei der Impetigo contagiosa zu einem „Staphylococcal Scalded Skin Syndrome“ (SSSS) kommen, das Symptom der verbrühten Haut. Wie Dr. Ott berichtete, wird das Kinderschutzteam an seiner Klinik einige Male pro Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert, weil die Fehldiagnose einer elterlich induzierten Verbrühung gestellt wurde.

Eine Hautbiopsie zur Abgrenzung von der topischen epidermalen Nekrolyse ist in dieser Situation praktisch nie notwendig. Denn der Verlauf ist ein völlig anderer, betonte der Dermatologe. Die Krankheit beginnt mit einem erythematösen Stadium, das sich zur Erythrodermie ausweitet und übergeht in ein exfolatives Stadium. „Wir können den Eltern sagen, dass sich alles, was rot ist, am nächsten Tag ablösen wird“, erläuterte Dr. Ott. Schließlich kommt es zur Abschuppung. Die Therapie muss wegen der Lebensgefahr stationär erfolgen.

Die Abheilung erfolgt bei entsprechender Pflege (bei Säuglingen im Inkubator) narbenfrei. „Diese Angst können wir den Eltern vom ersten Tag an nehmen“, erklärte Dr. Ott. Die Inzidenz des SSSS scheint zuzunehmen, aber erfreulich sei doch, dass die Mortalitätsraten gegenüber dem, was in Lehrbüchern angegeben wird, zurückgegangen sind. „Wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und adäquat therapiert wird, muss kein Kind mehr sterben!“

Systemische Gabe nur selten nötig

Er empfiehlt auch die Anwendung von topischen Antiseptika. Diese gibt es in unterschiedlichen Galeniken für verschiedene Lokalisationen, z.B. Lösungen für intertriginöse Läsionen oder Gele für krustöse Areale. Nur bei großflächiger, multilokulärer oder häufig rezidivierender Erkrankung sollte die Therapie mit einem systemischen Antibiotikum erfolgen.

Quelle: 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie