Rund 8 % der Erwachsenen haben eine Kontaktallergie

Autor: Dr. Anja Braunwarth

Ob Nickel, Aluminium oder Acrylate: Allergieauslösende Stoffe verstecken sich häufig in Alltagsgegenständen. © sinhyu, aboutnuylove – stock.adobe.com

Hund und Herrchen haben dieselben, mysteriösen schwarzen Flecken. Neun Finger eines Kindes zeigen Effloreszenzen – der zehnte aber nicht. In solchen Fällen ist es ratsam, nach einer Allergie zu fahnden.

Mit einem urtikariellen Ekzem und Bläschen kam ein Patient in die Klinik. Alles habe mit schwarzen Flecken in der Ellbeuge begonnen, berichtete er. Die fand er auch an der Kleidung – und an seinem Golden Retriever. Allein diese Schilderung hätte schon auf ein Kontaktekzem hingedeutet, erklärte Professor Dr. Regina ­Fölster-Holst­ von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Aber es brauchte noch einiges an detektivischem Spürsinn, um dem Auslöser des Ekzems auf die Spur zu kommen.

Schließlich stellte sich ein Besuch im Botanischen Garten als verantwortlich heraus. Der Hund war dort in einen Busch gerannt, den die Dermatologin anhand eines Fotos als Poison Ivy, „Giftefeu“, identifizierte. Diese in den USA weit verbreitete Pflanze ist für ihr allergenes Potenzial bekannt und müsse stets mit einem entsprechenden Warnhinweis versehen sein. Der Vierbeiner hatte das Schild nicht einfach überlesen – es war schlicht nicht vorhanden.

Etwa 8 % der Erwachsenen und 5,6 % der Kinder leiden an einem Kontaktekzem. Dabei denken die meisten zunächst an Nickel, das in der Tat zu den häufigsten Auslösern einer derartigen Immunreaktion zählt. Das Metall stecke aber nicht nur in Schmuck, wie die Kollegin erläuterte: In rund 90 % aller Klapphandys ließ sich einer Studie aus dem Jahr 2013 zufolge das potente Allergen in Tastatur und Gehäuse nachweisen.

Das Daddel-Ekzem

Manchmal verlangt der Befund eine wirklich gründliche Anamnese. So bot ein Junge ein ausgeprägtes Ekzem an neun von zehn Fingern. Viele Fragen später stellte sich heraus: Er daddelte jeden Tag auf seinem Gameboy. Und der steckte in einer Gummihülle, auf deren Bestandteile das Kind allergisch reagierte. Weil der Kleine dabei immer den rechten Zeigefinger in der Luft hielt, blieb dieser verschont. „Kindliche Haut zeigt signifikant häufiger eine Sensibilisierung gegen die Allergene des Mercapto-Mix als die von Erwachsenen“, warnte Prof. Fölster-Holst.

Und auch bei Kosmetika und Körperpflegemitteln kommen nach wie vor nickelhaltige Duft- und Konservierungsstoffe zum Einsatz.

Impfstoffe können für Deoallergie sensibilisieren

Doch das Spektrum sei viel breiter und bunter, mahnte die Referentin – und präsentierte den Fall einer jungen Frau, die sich im Ägyptenurlaub mit Henna ihren Namen auf die Haut hatte malen lassen. Eine Woche später war der Schriftzug wulstig angeschwollen, gerötet und von juckenden Papeln umgeben. „Henna selbst besitzt kaum allergenes Potenzial“, erklärte Prof. Fölster-Holst. Oft werde ihm aber ein schwarzer Farbstoff zugesetzt, der dann solche Reaktionen auslöse.

Im Blick haben sollte man auch Impfungen. Viele Vakzine enthalten Aluminiumsalze als Adjuvans. Diese können Kontaktekzeme erzeugen, die sich in Form von lobulären Pannikulitiden, persis­tierenden Prurigoknoten, Exkoriationen, Pigmentstörungen oder einer Hypertrichose zeigen. Die Sensibilisierung durch die Vakzine könne später dazu führen, dass ein alminiumhaltiges Deo starke Reaktionen hervorruft – wenn die Impfung längst vergessen ist.

Acrylate in Insulinpumpen nicht unterschätzen

Schließlich nannte Prof. Fölster-Holst noch weitere seltenere Übeltäter. Dazu gehören die wieder in Mode gekommenen Slimys, die Glibberspielzeuge, oder auch Fidget Spinner. Letztere gibt man gerne Kindern mit ADHS in die Hände. „Das kann ins Auge gehen. Denn die Kinder werden sicher nicht ruhiger, wenn sie nach dem Spielen ein Kontakt­ekzem entwickeln“, so die Expertin. Wenig im Bewusstsein dürfte auch die Bedeutung von Insulinpumpen als Allergieauslöser sein. Wie in künstlichen Fingernägeln fänden sich in den Geräten mitunter Acrylate, die das Immunsystem in Aufruhr bringen könnten.

Kongressbericht: Allergologie im Kloster 2019