Welche Indizien für eine Kohlenmonoxidvergiftung sprechen

Autor: Maria Fett

Die Symptome bei einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung sind indifferent und deswegen nicht leicht zuzuordnen. © AHOOLY, sakura – stock.adobe.com

Die Zeichen einer Kohlenmonoxidvergiftung werden oft verkannt. Korrekt einordnen lassen sich die Symptome meist nur, wenn man neben den Beschwerden des Patienten auch dessen Lebensverhältnisse beleuchtet.

Endlich in den eigenen vier Wänden! Die Freude über das neue Haus währte für Sue Westwood-Ruttledge jedoch nur kurz. Immer öfter fühlte sie sich unwohl und lethargisch, wurde von Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen geplagt. Die Symptome traten immer dann auf, wenn sie zu Hause war. Auch ihr sechsjähriger Sohn klagte wiederholt über Bauch- und Kopfschmerzen. Der Hausarzt allerdings fand nichts. Ob da nur jemand die Schule schwänzen wollte?

Fatigue, Gedächtnisprobleme und Stimmungsschwankungen

Für die Patientin folgte eine zermürbende Odyssee mit neurologischen Tests, Labor- und Blutgas­analysen, CT- und EKG-Untersuchungen. Aufgrund ihrer Symptomatik unterstellten die behandelnden Ärzte ihr zwischenzeitlich sogar eine Kokainabhängigkeit. Dass die Beschwerden auf eine Intoxikation mit Kohlenstoffmon­oxid (CO) zurückzuführen waren, kam schließlich nicht durch eine medizinische Untersuchung, sondern den Besuch eines Technikers ans Licht: Bei der routinemäßigen Überprüfung des Boilers entdeckte er ein Leck.

Eingeatmet gelangt das toxische Gas über die Lunge in den Blutkreislauf, bindet dort an Hämoglobin und verdrängt den Sauerstoff. Im klinischen Alltag erkennen zu viele Kollegen die Zeichen der Vergiftung nicht, schreiben die Autoren um Dr. James­ Ashcroft­ vom St Mary’s Hospital in London. Denn die Symptome sind unspezifisch: Zirkuliert CO längere Zeit im Körper, klagen Betroffene über Fatigue, Gedächtnis- und Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen. Auch Tinnitus, Lichtempfindlichkeit, chronische Schmerzen oder eine Myokard­ischämie sind möglich. Von parkinsonähnlichen Symptomen, neurologischen Defiziten, Ataxie und Muskelspasmen wird ebenfalls berichtet. In akuten Fällen kann es zu Brustschmerzen und Kurzatmigkeit bis hin zu Koma und Tod kommen.

Während die Beschwerden einer akuten Kohlenmonoxid-Vergiftung meist direkt nach der Exposition auftreten, können Wochen bis Monate vergehen, bis sich eine chronische Intoxikation bemerkbar macht. Schließlich ist der Patient dem Gas meist nicht ununterbrochen ausgesetzt. Die hieraus resultierenden schwankenden Konzentrationen im Blut erschweren die Diagnostik zusätzlich.

Neurologische Untersuchung ohne spezifische Hinweise

Deshalb muss man die Patienten sorgfältig ausfragen und die Symptome mit den Umgebungsbedingungen verknüpfen, denen sie ausgesetzt sind. Gab es besondere Veränderungen der Lebensumstände, zum Beispiel einen Umzug, Umbau oder Jobwechsel? Hat sich der Betroffene vor Kurzem längere Zeit in der Nähe eines (Lager-)Feuers aufgehalten?

Im EKG kann eine Sinustachykardie auffallen, seltener Arrhythmien. In der neurologischen Untersuchung finden sich keine spezifischen Hinweise für eine Kohlenmonoxidvergiftung. Typischerweise ist der Anteil des Carboxyhämoglobins am Gesamt-Hämoglobin erhöht. Je größer dieser wird, desto heftiger werden die Symptome.

Mindestens sechs Stunden lang Sauerstoff geben

Die Autoren raten jedoch von einer Messung via Pulsoxymetrie ab und empfehlen stattdessen die venöse Blutgasanalyse. Bei Nichtrauchern sollten die Werte nicht über 3 % liegen, starke Raucher weisen teils deutlich höhere Prozente auf (bis 15 %). Ab ca. 15–20 % kommt es zu Vergiftungserscheinungen.

Besteht der begründete Verdacht auf eine CO-Intoxikation, sollte der Patient umgehend stationär aufgenommen und behandelt werden. Oberstes Ziel ist es, das Gas aus dem Körper zu bekommen. Das gelingt am schnellsten mit der Zufuhr reinen Sauerstoffs (Non-Rebreather-Maske). Damit lässt sich die CO-Halbwertszeit von 4–6 Stunden auf 40–80 Minuten reduzieren. Betroffene sollten über mindestens sechs Stunden O₂ erhalten, schreiben die Autoren. Auf jeden Fall aber so lang, bis die Symptome vollständig abgeklungen sind.

Quelle: Ashcroft J et al. BMJ 2019; 365: I2299; DOI: 10.1136/bmj.l2299