Analekzem

Definition

Das Analekzem gehört zu den häufigsten proktologischen Erkrankungen. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern eher um eine Folgeerscheinung verschiedener dermatologischer, allergologischer, mikrobieller oder proktologischer Veränderungen.

Das Ekzem kann peri- und intraanal auftreten, wobei die Linea dentata die proximale Begrenzung darstellt. Je nach Ätiogenese unterscheidet man folgende Formen:

Irritativ-toxisches Analekzem

  • Reaktion der Haut auf externe Irritanzien ohne Entwicklung spezifischer Immunreaktionen
  • vor allem bei proktologischen Erkrankungen wie Feininkontinenz, Fistelleiden, Marisken oder Hämorrhoiden
  • auch durch mechanische Traumata (z.B. forcierte Reinigungsversuche)

Atopisches Analekzem (Neurodermitis, endogenes Analekzem)

  • Anogenitalregion ist eine typische Prädilektionsstelle bei Neurodermitis, auch intraanal
  • immunologisches Phänomen (häufig erhöhte IgE-Antikörper im Serum)
  • häufig weitere atopische Erkrankungen wie Rhinitis allergica oder allergisches Asthma
  • manchmal auch als einzige Manifestation der Neurodermitis (Diagnose dann schwierig)
  • chronisch rezidivierender Verlauf, kann unbehandelt in die Maximalform Lichen simplex chronicus übergehen

Allergisches Analekzem/Kontaktekzem

  • Haut reagiert mit einer spezifischen, immunologisch vermittelten Entzündung (Typ-IV-Allergie) auf externe Fremdstoffe
  • Auslöser sind meist Inhaltsstoffe von Hautpflegemitteln, Intimsprays, Proktologika und feuchten Toilettenpapieren (Sensibilisierung oft nach jahrelanger Anwendung)
  • die häufigsten Allergene sind Cinchocain, Benzocain, Lidocain, Bufexamac, Perubalsam, Duftstoffe, Neomycin, Mafenid, Hexylresorcin und Propolis
Symptomatik

Hauptsymptom aller Analekzemformen ist der Pruritus. Weitere Beschwerden sind meist Brennen, Nässen und Schmerzen beim Stuhlgang.

Untersuchung

Je nachdem, ob es sich um eine akutes, subakutes oder chronisches Ekzem handelt, lassen sich peri- und intraanal Erythem, Papeln, Seropapeln, Bläschen, Erosionen oder eine Lichenifikation nachweisen.

Labor

Die Diagnose lässt sich meist anhand der typischen Haut- und Schleimhautbefunde stellen.

Weiterhin sollte eine proktologische Untersuchung zum Ausschluss zugrundeliegender proktologischer Erkrankungen (z.B. Hämorrhoiden, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Fisteln etc.) erfolgen.

Weisen (Familien-)Anamnese und Verlauf auf ein Analekzem im Rahmen einer Neurodermitis, können Anzeichen einer Atopie wie weißer Dermatographismus, Sebostase, palmare Hyperlinearität, Hertoghe-Zeichen (=Verlust der lateralen Augenbrauen), Keratosis pilaris oder doppelte Infraorbitalfalte die Diagnose unterstützen.

Bei Verdacht auf ein allergisches Kontaktekzem sollten eine allergologische Diagnostik mit Epikutantestung durchgeführt werden.

Differenzialdiagnostik

Differentialdiagnostisch sind vor allem folgende Erkrankungen auszuschließen:

  • Psoriasis inversa
  • Lichen ruber planus
  • Lichen sclerosus
  • anale Kandidose
  • Erythrasma (Infektion der perianalen Haut mit dem pigmentproduzierenden Corynebakterium minutissimum)
  • Perianale Streptokokkendermatitis (vorwiegend bei Kindern)
  • Morbus Paget
  • flache Feigwarzen
  • anale intraepitheliale Neoplasien
  • Baboon-Syndrom (fixes toxische Arzneimittel-Exanthem)
Pharmakotherapie und nichtinvasive Therapie

Irritativ-toxisches Analekzem

Zur Therapie sollte vor allem das ermittelte Irritanz eliminiert werden – außerdem ist die Sanierung koexistenter proktologischer Erkrankungen notwendig.

In Abhängigkeit vom Akuitätsgrad wirkt die lokale Anwendung von Zinkzubereitungen unterstützend (bei nässendem Ekzem hier eher die Lotion, bei trockenem Ekzem die Paste). Zur Initialbehandlung kann auch ein Zusatz von topischen Kortikosteroiden (Wirkstoffklasse I und II) sinnvoll sein.

Atopisches Analekzem (Neurodermitis, endogenes Analekzem)

Als Therapie empfiehlt sich die kurzfristige lokale Applikation eines mittelstarken topischen Kortikosteroids der Wirkstoffklasse I und II. Topische Calcineurininhibitoren können im nicht-erosiven Stadium eingesetzt werden. Der chronisch-rezidivierende Verlauf erfordert häufig eine Intervalltherapie.

Allergisches Analekzem/Kontaktekzem

Grundlage der Therapie ist das Absetzen aller auslösenden Externa. Bis das Ergebnis der allergologischen Testung vorliegt, sollten nur indifferente Topika, wie Pasta zinci mollis (DAB 10) und Unguentum emulsificans aquosum, zum Einsatz kommen. Auch die kurzfristige Anwendung von Kortikosteroid-Externa (ohne Konservierungsstoffe) kann indiziert sein.

Prävention

Zur Prophylaxe können eine geeignete Analhygiene und ggf. der Verzicht auf Produkte mit bekanntem Sensibilisierungspotenzial (z.B. feuchtes Toilettenpapier) empfohlen werden.

Leitlinien

Leitlinie wird zur Zeit überarbeitet. Letzter Stand 07/2009:

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG):
Analekzem

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