Chirurgische Assistenzärzte sind besonders selbstmordgefährdet
Den Suizid muss man wohl in der Chirurgie als Berufsrisiko ansehen. Im Vergleich zur Normalbevölkerung kommen Assistenzärzte dort etwa doppelt so häufig auf den Gedanken, sich umzubringen, bei ihnen ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache. 4,5 % von ihnen haben innerhalb eines Jahres derart dunkle Gedanken, das hat ein Team um die Chirurgin Professor Dr. Yue-Yung Hu von der Feinberg School of Medicine in Chicago herausgefunden. Beim Rest der Bevölkerung schwankt die Quote zwischen 2,0 und 3,3 %. Zu diesem Ergebnis kam das Forscherteam, nachdem 7409 chirurgische Assistenzärzte aus allen ausbildenden US-amerikanischen Kliniken einen Fragebogen beantwortet hatten.
Besonders häufig waren Mediziner betroffen, die während ihrer Arbeit mehrmals im Monat Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder Missbrauch erlebten. Und das gilt für viele der Befragten, wie die Studie ergab. 31,9 % gaben an, sich bei der Arbeit im Hinblick auf ihr Geschlecht diskriminiert zu fühlen, 16,6 % im Hinblick auf ihre Herkunft.
Diskriminierende Patienten, missbrauchende Ärzte
30,3 % klagten über verbalen oder körperlichen Missbrauch, 10,3 % über sexuelle Belästigung. Frauen wiesen in puncto Geschlechtsdiskriminierung und Belästigung etwa doppelt so hohe Quoten auf. Quelle der diskriminierenden Äußerungen waren meist Patienten und deren Angehörige, für Missbrauch und sexuelle Belästigung am häufigsten die Kollegen. Eine weitere Folge solchen Fehlverhaltens: Die Opfer litten fast dreimal häufiger unter Burnout als Ärzte ohne diese Erfahrungen. Insgesamt berichteten 38,5 % der Befragten, mehrmals in der Woche Burnout-Symptome zu erleben.
Quelle: Hu YY et al. N Engl J Med 2019; 381: 1741-1752; DOI: 10.1056/NEJMsa1903759