Gefahr der großen Höhen Ohne Akklimatisierung wird die Luft im Gebirge schnell knapp

Forum Reisen und Gesundheit 2025 Autor: Maximilian Rossol

Ab einer Höhe von 2.000 bis 2.500 m ü. NHN funktionieren die basalen körpereigenen Anpassungsvorgänge nicht mehr. Ab einer Höhe von 2.000 bis 2.500 m ü. NHN funktionieren die basalen körpereigenen Anpassungsvorgänge nicht mehr. © yanlev - stock.adobe.com

Wer die großen Gebirgsmassive dieser Erde bereist, muss mitunter einen hohen Preis zahlen. Denn ab einer kritischen Höhe steigt mit jedem Meter das Risiko für die Bergkrankheit. Doch es lässt sich vorbeugen.

Ab einer Höhe von 2.000 bis 2.500 m ü. NHN funktionieren die basalen körpereigenen Anpassungsvorgänge nicht mehr. Wer weiter hinauf will, muss zwingend die taktischen Regeln des Bergsteigens einhalten, um ernste Gesundheitsschäden zu verhindern, erklärte Dr. Eike Plazikowski, Expeditionsarzt beim Deutschen Alpenverein und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin.

Die medizinischen und in der Literatur beschriebenen Empfehlungen zur Anpassung an die ungewohnte Höhe sind eindeutig. Drei wichtige Maßnahmen sollte man Reisenden unbedingt mit auf den Weg geben:

  • Akklimatisierung ab etwa 2.500 Höhenmetern
  • alle 1.000 Höhenmeter einen Ruhetag einlegen
  • die Schlafhöhe nur um 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag verändern

Die Akklimatisierung soll langsam erfolgen, so der Referent. Ggf. ist auch eine Höhengewöhnung vorab sinnvoll, etwa durch eine Hüttentour in den Alpen. Mit einem vernünftigen Aufstiegsschema und einer gut geplanten Reiseroute lassen sich größere Schäden vermeiden.

Es gibt drei große Entitäten der Bergkrankheit, erinnerte Dr. Plazikowski. Allen liegt die fehlende oder eine nicht ausreichende Akklimatisierung zugrunde.

Akute Bergkrankheit

Leichte Kopfschmerzen, Übelkeit, Abgeschlagenheit und Schwindel kennzeichnen diese Form der Höhenkrankheit. Es treten auch subkutane Ödeme auf, die Urinmenge sinkt. Die Symptome beginnen ungefähr sechs Stunden nach einem akuten Höhenaufenthalt.

Höhenlungenödem

Gefährlicher ist das Höhenlungenödem. In der Regel tritt es erst ab 3.000 m ü. NHN auf. Dieses nicht-kardiale Lungenödem macht sich durch Symptome wie einen anfangs trockenen, dann produktiven Husten, starken Leistungsabfall, Dyspnoe, Tachypnoe und auch Fieber bemerkbar. Die Urinmenge über 24 Stunden sinkt auf unter 500 ml. Untherapiert liegt die Mortalität bei 25 %.

Höhenhirnödem

Dieses zytotoxische Hirnödem geht mit stärksten Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Ataxie, Verhaltens- und Wesensveränderungen sowie Bewusstseinsstörungen und einem möglichen Koma einher. Ab 4.000 Höhenmetern steigt die Wahrscheinlichkeit für ein Höhenhirnödem. Unbehandelt liegt die Mortalität bei 40 %.

Prinzipiell gilt: Die beste Therapie bei allen Formen der Bergkrankheit ist die zügige Rückkehr auf die letzte symptomfreie Schlafhöhe. Während des Abstiegs können Medikamente wie Acetazolamid, Dexamethason, Nifedipin und Sauerstoffgabe die Symptome lindern. Im Falle einer akuten Höhenkrankheit können 250 mg Acetazolamid zweimal täglich oder 4 mg Dexamethason viermal täglich gegeben werden. Beim Höhenlungenödem eignen sich 20 mg Nifedipin zweimal täglich. Wer ein Höhenhirnödem entwickelt, muss mindestens 8 mg Dexamethason initial einnehmen, gefolgt von weiteren 4 mg alle sechs Stunden. Falls keine Symptomlinderung eintritt, können deutlich höhere Dosen helfen.

Eine medikamentöse Prävention ist möglich, sollte aber Ausnahmefällen (bspw. schon einmal höhenkrank gewesen) vorbehalten bleiben. Der langsame Aufstieg und die ausreichende Akklimatisierung sind immer vorzuziehen, schloss Dr. Plazikowski. 

Quelle: 26. Forum Reisen und Gesundheit