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Wider die Kindeswohlgefährdung Störungsspezifisches Training hilft Eltern mit Borderline-Störung

Studien zufolge haben Eltern mit BPS u. a. Defizite darin, Emotionen der Kinder zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Sie zeigen mit größerer Wahrscheinlichkeit übergriffiges, strafendes und invalidierendes Erziehungsverhalten. Das Risiko für Vernachlässigung und Missbrauch der Kinder ist ebenfalls erhöht.
Es besteht die Gefahr, dass sowohl die BPS als auch Vernachlässigung und Missbrauch von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Das Projekt ProChild zielt auf die Prävention von Misshandlung und die Förderung der psychischen Gesundheit bei Kindern von Müttern mit BPS ab. Eine Querschnittsanalyse prüfte zunächst störungsspezifische Unterschiede zwischen 166 Müttern mit BPS, 67 Müttern mit Angststörung/Depression und 97 ohne psychische Störung.
Mütter mit BPS hatten häufiger einen niedrigeren Bildungsabschluss und seltener ein geteiltes Sorgerecht als die übrigen Mütter (70 % vs. 88 %), so Prof. Rosenbach. Das Potenzial für eine Kindeswohlgefährdung, Überreagieren, inkonsistentes Elternverhalten, die allgemeine psychische Belastung, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und natürlich eine BPS-typische Symptomatik waren in der Gruppe mit BPS am häufigsten zu beobachten. Auch Teilnehmerinnen mit Angststörung oder Depression wiesen gegenüber den Kontrollen signifikant erhöhte Werte in diesen Bereichen auf, blieben aber in allen verwendeten Instrumenten und Skalen im Mittel hinter denjenigen mit BPS zurück. Das galt auch für die Selbstauskunft über Kindesmisshandlungen, egal, ob es emotionale/körperliche Vernachlässigung oder (sexuellen) Missbrauch betraf. Als signifikante Faktoren für das Risiko für eine Kindeswohlgefährdung identifizierte Prof. Rosenbach eine niedrige Bildung, eine höhere Anzahl von Geschwistern, die eigene emotionale Vernachlässigung und Defizite in der Emotionsregulation.
Der Querschnittanalyse folgt jetzt eine Längsschnittuntersuchung, die randomisiert ein störungsspezifisches Elterntraining für Mütter mit BPS mit einer Gruppe auf der Warteliste vergleicht. Ziel ist es, das Potenzial für Kindeswohlgefährdung und ungünstiges Erziehungsverhalten sowie die Schwierigkeiten in der Emotionsregulation und die psychopathologischen Maße der Mütter zu reduzieren. Dafür wird ein Teil der Stichprobe 21 Jahre lang beobachtet. Basierend auf dem Elterntraining soll zudem eine digitale Intervention für psychisch belastete Eltern entwickelt werden.
Quelle: KOngressbericht DGPPN 2024