Stummer Schlaganfall nach OPs beschleunigt geistigen Verfall bei Senioren

Autor: Dr. Barbara Kreutzkamp

Nach nicht-kardialen Operationen ist auch das Delir- und TIA-Risiko erhöht. © iStock/laflor

Wer sich mit über 65 Jahren einem nicht-kardialen Eingriff unterzieht, hat ein erhöhtes Risiko für einen stummen Schlaganfall. Mögliche Folge ist ein rascher kognitiver Abbau. Wie man den Insulten vorbeugen kann, ist bisher nicht bekannt.

Studien zufolge liegt das Risiko für einen klinisch manifesten Schlaganfall bei nicht-kardialen Operationen für Ältere bei etwa 0,7 %. Noch wenig beachtet sind allerdings die stummen Hirninfarkte mit ihren diskreten und unspezifischen Symptomen. Doch gerade bei Älteren sind diese alles andere als harmlos, fördern sie doch den geistigen Verfall und eine psychomotorische Verlangsamung. Eine prospektive Multicenterstudie befasste sich nun erstmalig mit dem Zusammenhang zwischen einem perioperativen stummen Schlaganfall und dem Nachlassen der kognitiven Fähigkeiten bei Patienten über 65 Jahre.

Dazu wurden 1114 Senioren unmittelbar nach elektiver nicht-kardia­ler Operation per MRT-Bildgebung untersucht und das Ergebnis in multivariablen Regressionsmodellen mit einem kognitivem Abbau ein Jahr später korreliert. Dazu absolvierten alle Teilnehmer vor und nach dem Eingriff ein Kognitionsassessment mit verschiedenen Einzelmodulen und gaben Auskunft über ihre alltäglichen Aktivitäten.

Auch Patienten ohne stummen Infarkt bauten kognitiv ab

Bei 78 (7 %) der Patienten befundeten die Radiologen mittels MRT einen stummen Infarkt. 29 (42 %) dieser Betroffenen schnitten dann auch im Hirnleistungstest nach einem Jahr um mindestens zwei Punkte schlechter ab als unmittelbar vor der Operation und erfüllten damit das Studienziel „kognitiver Abbau“. Dieses fand das Studienteam aber erstaunlicherweise auch bei 29 % der Operierten ohne stummen Schlaganfall – ein Zeichen dafür, dass außer einem stummen Infarkt noch andere perioperative Faktoren die Hirnleistung der Senioren beeinträchtigen können.

Ein stummer Infarkt steigerte in dieser Studie zudem das Risiko für ein perioperatives Delir (Hazard Ratio, HR 2,24) sowie einen offenen Insult oder eine transiente ischämische Attacke innerhalb eines Jahres (HR 4,13). Es sei daher dringend nötig, Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, so die Autoren.

Quelle: NeuroVISION Investigators. Lancet 2019; online first; DOI: doi.org/10.1016/S0140-6736(19)31795-7