Mammakarzinom Akkurate Früherkennung und Abklärung für eine bessere Prognose

AGO Mamma 2025 Autor: Birgit-Kristin Pohlmann

In vielen Fällen bleiben Mammografie und Sonografie weiterhin diagnostischer Standard. In vielen Fällen bleiben Mammografie und Sonografie weiterhin diagnostischer Standard. © Hanna Syvak - stock.adobe.com

Die Bedeutung der Früherkennung für die Prognose von Brustkrebserkrankten scheint erheblich. Neben den etablierten Standards bewertete die AGO Mamma auch die kontastmittelgestützte Mammografie und die Tomosynthese in der diagnostischen Abklärung neu.

Die Mortalität von Patient:innen mit Mammakarzinom habe in den letzten 25 Jahren deutlich abgenommen, erläuterte Prof. em. Dr.  ­Christoph ­Thomssen, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Saale) – laut US-amerikanischen Daten beim frühen Mammakarzinom um etwa ein Drittel und in der metastasierten Situation um etwa ein Sechstel. Die Hälfte der Reduktion lasse sich der Früherkennung zuschreiben. Dies verdeutliche, wie wichtig Früherkennung und eine adäquate Diagnostik für die Prognose der Patient:innen seien.

Risikoadaptiertes Screening

In Deutschland wird das nationale Mammografie-Screening-­Programm zur Früherkennung einer Brustkrebserkrankung für asymptomatische Frauen vom 50. bis zum 75. Lebensjahr auf hohem Evidenzniveau mit ‚Doppelplus‘ empfohlen (1a A ++). Bei allen anderen Frauen – jünger oder älter – rät die AGO Mamma zu einem am individuellen Risiko orientierten Vorgehen. Für asymptomatische Frauen ab dem 45. bis zum 49. Lebensjahr vergab sie mit Verweis auf die Empfehlungen der Strahlenschutzkommission weiterhin eine ‚Kann‘-Empfehlung (1a A +), wenn eine rechtfertigende Indikation vorliegt, berichtete Prof. Dr. Eva Fallenberg, Gynäkologische Radiologie, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München. 

Neu ist, dass die Arbeitsgruppe für asymptomatische Frauen zwischen 40 und 44 Jahren jetzt ebenfalls differenziert: Bei normalem Risiko empfiehlt sie  – auch aus strahlenschutztechnischen Gründen - in dieser Altersgruppe kein Mammografie­screening, erläuterte die Expertin. Bei moderat erhöhtem Risiko oder Eigenanamnese kann dagegen im Einzelfall eine Indikation bestehen.

KI als Zukunftsperspektive?

Eine wichtige Zukunftsperspektive sieht Prof. Fallenberg im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die AGO Mamma empfiehlt den Einsatz von KI für das Mammografiescreening derzeit – unverändert – nur im Einzelfall als ‚Second Reader‘ (1b B +/-). Die Überlegenheit und Übertragbarkeit der vorliegenden Daten in die klinische Routine seien noch nicht bewiesen. Zudem fehle eine Standardisierung. Aber die Ergebnisse wirkten insgesamt vielversprechend, so die Kollegin.

Abklärungsdiagnostik erweitert

Im Rahmen der Abklärungsdia­gnostik – auffällige Bildgebung (im Screening) bzw. Symptomatik – bleiben die röntgenbasierte Bildgebung mit Mammografie – so kein Screening vorausging – und die Sonografie die Standardmethoden (jeweils ++). Ergänzt hat die AGO Mamma die Tomosynthese (2a B +) und die kontrastmittel­unterstützte Mammographie (CEM; 1b B +) als neue Optionen mit jeweils einer ‚Plus‘-Bewertung (‚Kann‘-Option), berichtete Prof. Thomssen. Sie stehen damit auf einer Stufe mit der MRT (2a B +). Besonders vielversprechend scheint laut dem Experten die CEM, die hinsichtlich Spezifität und Sensitivität der MRT mindestens ebenbürtig sei. Der Vorteil der digitalen Brust-Tomosynthese bestehe wiederum in der höheren Spezifität gegenüber CEM und MRT.

Prätherapeutische Axilladiagnostik

Für die prätherapeutische Diagnostik bleibt die Sonografie (2a B ++) neben der klinischen Untersuchung (5 D ++) die Standardmodalität. Neu ist, dass die AGO Mamma – ebenfalls mit ‚Doppelplus‘ – bei suspektem Sonografiebefund eine Stanzbiopsie plus Markierung des entsprechenden Lymphknotens empfiehlt, wenn eine TAD (targeted axillary dissection) geplant ist (2b B ++). Eine ‚Plus‘-Bewertung vergaben die Fachleute auch für die Abklärung mittels MRT (1b A +). Weder die Mammografie mit/ohne Kontrastmittel noch die Tomosynthese werden für die Axilladiagnostik empfohlen.

Ansprechen nach Neoadjuvanz

Um das Therapieansprechen nach neoadjuvanter Systemtherapie zu überprüfen, sind unverändert Sonografie und Mammografie zusätzlich zur klinischen Untersuchung Standard (jeweils 2b B ++). Auch hier haben die CEM und die digitale Tomosynthese an Stellenwert gewonnen: Die CEM erhielt eine ‚Plus‘-Bewertung (2a B +) und die digitale Tomosynthese stellt im Einzelfall eine Option dar, um die Befunde zu objektivieren, berichtete Prof. ­Thomssen. Wichtig sei, dass prä- und posttherapeutisch die gleiche diagnostische Modalität eingesetzt werde, um eine akkurate Vergleichbarkeit zu erlauben.

Quelle: Thomssen C, Fallenberg E. AGO Mamma State of the Art Meeting 2025; Session 1 „Früherkennung und Diagnostik“