Neuer Rettungsanker Lebertransplantation Hohe Überlebensrate bei akut-auf-chronischem Leberversagen

Autor: Dr. Anne Benckendorff

Effektive therapeutische Optionen sind beim akut-auf-chronischen Leberversagen sehr limitiert. Effektive therapeutische Optionen sind beim akut-auf-chronischen Leberversagen sehr limitiert. © SewcreamStudio – stock.adobe.com

Eine britische Studie hat gezeigt, dass eine Lebertransplantation bei akut-auf-chronischem Leberversagen (ACLF) das Überleben drastisch verbessern kann. Bei schwer Erkrankten unter 60 Jahren lag die 28-Tage-Überlebensrate nach Transplantation bei 93 %, während unbehandelte Patienten binnen einer Woche verstarben.

Effektive therapeutische Optionen sind beim akut-auf-chronischen Leberversagen (Acute-on-chronic liver failure, ACLF) sehr limitiert, die Mortalität ist hoch. Bei dieser Erkrankung kommt zu einer akuten Leberdekompensation infolge einer Leberzirrhose das Versagen weiterer Organe hinzu. Mit den derzeitigen, limitierten Therapieansätzen versterben 70 % und mehr der schwer Betroffenen innerhalb eines Monats. Eine Lebertransplantation wurde für diese Patientengruppe bislang nur selten in Erwägung gezogen, da man eine hohe Mortalität der Organempfänger sowie eine lange Klinikaufenthaltsdauer bei hohem Ressourcenverbrauch vermutete.

Ob eine Lebertransplantation bei ACLF doch eine sinnvolle Option sein könnte, hat eine prospektive Studie in Großbritannien nun für ausgewählte Patientinnen und Patienten untersucht: Auf der Transplantationswarteliste priorisiert wurden dafür Betroffene mit chronischer Leberzirrhose und ACLF unter 60 Jahren, die eine intensivmedizinische Versorgung benötigten und eine erwartete Mortalität von mehr als 50 % innerhalb eines Monats aufwiesen.

Insgesamt wurden 52 Patientinnen und Patienten mit einem medianen Alter von 46 Jahren, die diesen Kriterien entsprachen, auf der Transplantationswarteliste registriert. Sie hatten ein ACLF von Grad 3 und der MELD*-Score betrug 39. Bei Registrierung benötigten 62 % eine mechanische Beatmung 85 % eine Therapie mit Vasopressoren und 89 % waren dialysepflichtig.

42 der 52 Studienteilnehmenden erhielten innerhalb von median 2 Tagen eine Lebertransplantation. Die Überlebensrate nach 28 Tagen betrug 93 %, nach 90 Tagen lag sie bei 86 % und nach 1 Jahr bei 77 %. Dabei korrelierte die Mortalität mit der Schwere der Erkrankung bei Transplantation. Die zehn Betroffenen, die keine Transplantation erhalten hatten, verstarben im Median 7 Tage nach der Registrierung. Die Dauer des Klinikaufenthalts der transplantierten Patientinnen und Patienten betrug im Median 16 Tage auf der Intensivstation und 35 Tage im Krankenhaus. Das Autorenteam schlussfolgert, dass die Lebertransplantation für ausgewählte ACLF-Patientinnen und -Patienten eine hocheffektive und praktikable Behandlungsoption darstellt.

* Model for Endstage Liver Disease

Quelle: Bernal W et al. Lancet Reg Health Eur 2024; doi: 10.1016/j.lanepe.2024.101067