Schmerzen statt Ringelausschlag Kinderkrankheit wird bei Erwachsenen oft nicht erkannt

Autor: Dr. Franziska Hainer

Immunkompetente sind nach durchgemachter Erkrankung lebenslang immun. (Agenturfoto) Immunkompetente sind nach durchgemachter Erkrankung lebenslang immun. (Agenturfoto) © triocean – stock.adobe.com

Rote Wangen und ringelförmiger Hautauschlag: Bei Kindern ist eine symptomatische Infektion mit Parvovirus B19 leicht zu erkennen. Erkrankt hingegen ein Erwachsener, kommt es häufig zu einer falschen oder verspäteten Diagnose.

Eine 38-jährige Frau wird in der Notaufnahme vorstellig. Sie hat seit dem Vortag einen juckenden Hautausschlag. Dieser hatte sich vom Rücken auf die Extremitäten ausgebreitet. Seit fünf Tagen bestanden bereits Fieber bis 39 °C und Schmerzen im Thoraxbereich der Wirbelsäule. Die Patientin hatte Ibuprofen eingenommen. Es bestanden keine Vorerkrankungen und die Anamnese war sonst unauffällig. So schildern Dr. Fabienne Wächter und Dr. Birgit Traichel vom Kantonsspital in Münsterlingen die Ausgangssituation.

Klinisch zeigte sich ein feinfleckiges, makulopapulöses Exanthem ohne Bläschenbildung oder Krusten. An den Händen und Fußsohlen verspürte die Patientin ein Brennen. Diese Areale waren exanthemfrei. Es zeigte sich eine leichte Schwellung der Fingergelenke mit Schmerzen bei Bewegung. Die Blutuntersuchung ergab eine milde, hyporegenerative, normochrome, normozytäre Anämie (Hämoglobin 115 g/l, Retikulozyten 0,01 T/l) und eine neu dokumentierte Thrombozytopenie (75 G/l). Die übrigen Laborwerte waren im Normbereich.

Bei Verdacht auf Arzneimittelexanthem erhielt die Patientin 2 mg Clemastin und 125 mg Methylprednison intravenös. Der Juckreiz wurde daraufhin weniger, das Exanthem blieb jedoch unverändert. Aufgrund der Bizytopenie und der Arthralgien ließen die Kollegen das Blut der Frau serologisch auf eine Parvovirus-B19-Infektion untersuchen. Ein IgM-Wert von 18,0 (positiv) und negatives IgG (< 0,1) sprachen für eine kürzlich erfolgte Infektion. IgM-Antikörper können sieben bis zehn Tage nach der Infektion im Serum nachgewiesen werden, IgG-Antikörper weitere drei bis vier Tage später.

Exanthem, Juckreiz und Thrombozytopenie waren bereits am Folgetag gut rückläufig, so dass die Patientin entlassen wurde. Nach zwei Tagen war der Ausschlag weg. Eine Woche später ging es der Patientin wieder gut. Die Arthralgien sistierten nach einigen Tagen. Die Blutuntersuchung 13 Tage nach Entlassung ergab normalisierte Werte. Zudem zeigte sich eine Serokonversion mit positiven IgM- und IgG-Antikörpern, die eine frische Parvovirus-B19-Infektion bestätigte. Dazu passte, dass in der Schulklasse der Tochter zuvor Ringelröteln aufgetreten waren.

Vor allem Frauen mittleren Alters sind betroffen

Ringelröteln treten bei Erwachsenen eher selten und vor allem bei Frauen mittleren Alters auf. Generell kommt es vier Tage bis zwei Wochen nach der Tröpfcheninfektion zu einem Prodromalstadium mit grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Myalgien. Kinder entwickeln mitunter die typische Rötung der Wangen und einen Ausschlag mit Girlanden und Ringeln an Stamm und Extremitäten, der in 50 % der Fälle mit Prurigo einhergeht. Bei Erwachsenen fehlt der charakteristische Hautausschlag häufig, dafür leiden sie öfter unter symmetrischen Arthralgien in Fingern und Händen.

Eine Infektion mit Parvovirus B19 kann Blutbildveränderungen wie Thrombozytopenien und Anämien auslösen. Bei Patienten mit hämatologischen Erkrankungen (z. B. Sichelzellanämie, Thalassämie oder Sphärozytose) sind schwere Verläufe bis zur aplastischen Krise möglich. Die Therapie richtet sich nach den Symptomen. Infizierte sollten den Kontakt zu Schwangeren strikt meiden. Immunkompetente sind nach durchgemachter Erkrankung lebenslang immun.

Quelle: Wächter F, Traichel B. Swiss Med Forum 2024; 24: 250-251; DOI: 10.4414/smf.2024.1265515655