Bleibt alles anders Stanzbiopsien sind in tätowierten Arealen kein Problem

Autor: Annette Kanis

Stanzbiopsien auf tätowierter Haut haben offenbar keine oder nur geringe kosmetische und psychologische Auswirkungen. Stanzbiopsien auf tätowierter Haut haben offenbar keine oder nur geringe kosmetische und psychologische Auswirkungen. © New Africa – stock.adobe.com

Wenn in oder auf tätowierter Haut Komplikationen auftreten, wird häufig eine Probenentnahme notwendig. Die Histopathologie ist für die Diagnose bei Infektionen, allergischen Reaktionen, bei Sarkoidose oder auch bei Komplikationen nach der Entfernung eines Tattoos wichtig. 

Doch wie reagiert tätowierte Haut auf eine Biopsie? Immerhin 10–20 % der Bevölkerung in Europa und den USA tragen mindestens ein Tattoo: dekorative, in Form von permanent Make-up oder Brustwarzenatrappen. 

An der spezialisierten Tattoo-Klinik des Alrijne-Krankenhauses im niederländischen Leiden untersuchten Forscher in einer Studie kosmetische Folgen und Komplikationen von Stanzbiopsien in tätowierter Haut. Die Kohorte umfasste 50 Patienten: 70 % waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei ca. 40 Jahren. Die Studienteilnehmer erhielten zwischen 2021 und 2023 eine 3-mm-Stanzbiopsie im Bereich ihres Tattoos. Mit dem SCAR-Q-Fragebogen, einem validierten Instrument zur Beurteilung von Narben und Narbenentwicklung, wurde die Patientenzufriedenheit mit der Biopsienarbe erfasst. 

Zwei Drittel der Befragten verspürten keine Symptome nach der Biopsie. Die Übrigen nannten Juckreiz (16 %), zu jeweils 10 % Schmerzen oder Rötungen und zu jeweils 6 % Schwellungen oder Blutungen. Diese Komplikationen klangen jedoch bei 88 % innerhalb von 10 Tagen ab. Knapp die Hälfte der Patienten (42 %) gab an, dass die Biopsienarbe auf der Haut nicht sichtbar sei. Noch sichtbare Narben lagen signifikant häufiger an den unteren Extremitäten und am Rumpf. Auch wenn die Patienten älter waren (ab 40 Jahren) verschwanden die Narben weniger häufig. 60 % der Befragten gaben an, sehr zufrieden mit dem Gesamtergebnis der Biopsie zu sein. 

Die Studie zeigt, dass die kosmetischen und psychologischen Auswirkungen von Stanzbiopsien bei tätowierter Haut minimal sind und dass die Heilung schnell erfolgt. Bedenken vor kosmetischen Folgen sind also i. d. R. unbegründet. Ein direkter Vergleich mit untätowierter Haut war aufgrund der Datenlage nicht möglich.

Quelle: Poelhekken M et al. JEADV Clin Pract 2024; DOI: 10.1002/jvc2.431