Surren per Expresslieferung Tropenmücke auf dem Vormarsch

Forum Reisen und Gesundheit 2025 Autor: Tobias Stolzenberg

Durch die Globalisierung, die Klimaerwärmung und auch den Tourismus wurden in den vergangenen Jahren vermehrt exotische Stechmückenarten nach Europa eingeschleppt. Durch die Globalisierung, die Klimaerwärmung und auch den Tourismus wurden in den vergangenen Jahren vermehrt exotische Stechmückenarten nach Europa eingeschleppt. © Ardy - stock.adobe.com

Die Asiatische Tigermücke ist schon längst nicht mehr nur ein Problem der Tropen. Zunehmend macht sie sich auch bei uns als Überträger von Arboviren breit. Gesundheitsbehörden haben sie ins Visier genommen.

Durch die Globalisierung, die Klimaerwärmung und auch den Tourismus wurden in den vergangenen Jahren vermehrt exotische Stechmückenarten nach Europa eingeschleppt. Einige von ihnen, wie Aedes albopictus, hierzulande bekannt als Asiatische Tigermücke, sind effiziente Vektoren verschiedener Pathogene bei Mensch und Tier. Ihre geografische Ausbreitung wird daher u. a. von der WHO, der ECDC* und der Nationalen Expertenkommision für Stechmücken am Friedrich-Löffler-Institut beobachtet (s. Kasten).

Mücken im Visier

Im Rahmen eines deutschlandweiten Monitoringprogramms werden Funde der Asiatischen Tigermücke (Aedes­ albopictus­) der Nationalen Expertenkommission für Stechmücken gemeldet. Diese wiederum informiert das Robert Koch-Institut, die Landesstellen der Bundesländer und die lokalen Behörden über die Situation. Die Gesundheitsämter vergleichen die Funde von Ae. albopictus mit gemeldeten Virusinfektionen, die durch die Asiatische Tigermücke übertragen werden können, und leiten bei Bedarf Vektorbekämpfungs- und andere Maßnahmen ein.

Experimentell kann Ae. albopictus etwa 22 verschiedene Arboviren** übertragen. Von besonderer Bedeutung sind:

  • Chikungunyavirus
  • Denguevirus
  • West-Nil-Virus
  • Zikavirus

Veterinärmedizinisch relevant sind zudem Dirofilarien und das Rifttal-Fieber-Virus.

Besonders für das Chikungunyavirus ist die Asiatische Tigermücke ein absolut effektiver und kompetenter Vektor auch im europäischen Raum, machte Dr. Karolina-Bauer-Dubau vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin deutlich. Damit sich dieses Virus vermehren kann, reichen bereits Temperaturen von 18 °C aus. Die Dengue-, West-Nil- und Zikaviren sind für ihre Replikation auf 25 °C und mehr angewiesen.

Autochthone Infektionen mit dem Chikungunyavirus könnten auch in Deutschland unter bestimmten Umständen möglich sein, so die Einschätzung der Expertin. Eine Übertragung des Dengue- und Zikafiebers indes hält sie hierzulande derzeit für unwahrscheinlich. Sie verwies aber auf die Situation in Südeuropa, wo es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Dengue- und Zikaausbrüchen gekommen ist, die nachweislich auf die Asiatische Tigermücke zurückgehen.

Usprünglich beheimatet ist Ae. albopictus im Westpazifik und in Südostasien. Mittlerweile ist sie im Nahen Osten, in Nord- und Südamerika, der Karibik, in Afrika und Europa anzutreffen. In Deutschland ist sie entlang des Oberrheingrabens und bis nach Stuttgart etabliert. Stabile Populationen gibt es zudem in Würzburg, Fürth, im Raum Jena und in Berlin.

Sie ist gut an den menschlichen Lebensraum angepasst. In Innenräumen ist sie dämmerungs- und nachtaktiv, in beschatteten Bereichen ist sie auch am Tag unterwegs und mitunter sehr aggressiv. Die Eiablage erfolgt in kleinen Wasseransammlungen in Blumenvasen, Vogeltränken, Dosen, Regentonnen, auf Abdeckplanen oder in alten Autoreifen. Bei 25 °C und optimalem Nahrungsangebot dauert das Larvenstadium fünf bis zehn Tage. In tropischen Habitaten folgen die Generationen ohne Unterbrechung aufeinander, in gemäßigten Breiten legen die Tiere eine fotoperiodisch kontrollierte Diapause ein, d. h. sie überdauern die Winter im Eistadium. Eine weitere Besonderheit der Tigermücke ist, dass ihre Eier monatelange Trockenheit überstehen.

*European Center for Disease Prevention and Control
**arthropode-borne virus

Quelle: 26. Forum Reisen und Gesundheit