Infekte, die ins Auge gehen Unerwünschte Reiseandenken erkennen, Komplikationen verhindern

Autor: Dr. Angelika Bischoff

Infektionen am Auge wurden als seltene, aber ernstzunehmende Reiseerkrankung erkannt Infektionen am Auge wurden als seltene, aber ernstzunehmende Reiseerkrankung erkannt © My Ocean studio - stock.adobe.com

Infektionen am Auge wurden als seltene, aber ernstzunehmende Reiseerkrankung erkannt. Studien zeigen, dass Viren wie Adeno- oder Herpesviren, aber auch Bakterien, Pilze und Parasiten teils gravierende Augenkomplikationen hervorrufen können.

Adenoviren, Herpes oder Malaria? Importierte Infektionen am Auge sind keinesfalls zu unterschätzen. Von viralen bis parasitären Erregern – was Ärztinnen und Ärzte bei Reiserückkehrenden unbedingt beachten sollten.

Infektiöse Augenerkrankungen zählen nicht unbedingt zu den Top-Diagnosen, die man aus anderen Ländern und von anderen Kontinenten mit nach Hause bringt. Den Daten einer finnischen Analyse zufolge rangieren sie bei Reiserückkehrenden mit einem Anteil von 3 % ziemlich am Ende der Liste von im Ausland erworbenen ansteckenden Krankheiten, schreibt eine Autorengruppe um Dr. Francesca Norman von der Infektiologischen Abteilung der Universitätsklinik Madrid. Fast immer lassen sich die Infekte ambulant behandeln.

Adenoviren, Enteroviren und Herpesviren sind die Hauptverursacher von Konjunktivitiden. Außerdem kann eine Bindehautentzündung auch im Rahmen von Atemwegsinfekten auftreten, vor allem bei Influenza, den verschiedenen Typen der Vogelgrippe oder bei einer SARS-CoV-2-Infektion. Als weitere COVID-19-Manifestationen am Auge wurden Gefäßokklusionen und Neuropathien beobachtet. Angesichts einer Reihe von Masernausbrüchen weltweit muss man bei rückgekehrten Reisenden mit Atemwegssymptomen und Konjunktivitis auch an die Möglichkeit von Masern denken, so die Expertengruppe. 

Eine Uveitis, Retinitis, Optikusneuropathie, Makulopathie oder Panophthalmitis kann in manchen Fällen das erste oder einzige Zeichen eines Denguefiebers sein. Auch Zika- und Chikungunyavirus-Infektionen können mit Symptomen am Auge einhergehen.

Typisch für Gelbfieber ist eine Bindehautrötung mit Sklerenikterus, Hämorrhagien und venösen Verschlüssen der Netzhautgefäße sowie Optikusneuritis. Okuläre Komplikationen wurden selten auch bei Japanischer Enzephalitis, dem West-Nil- und dem Ebolavirus sowie beim Rift-Valley-Fieber beobachtet. 

Bakterielle Augeninfektionen mit der Folge einer Keratitis werden weltweit vor allem durch Staphylokokken, Streptokokken und Pseudomonaden verursacht. Unter problematischen Umweltbedingungen, bei unzureichender Hygiene und erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Erregerresistenz im Reiseland können solche Infektionen ein gravierendes klinisches Ausmaß annehmen.

Auch sexuell übertragbare Krankheiten betreffen mitunter die Augen, z. B. eine Gonorrhö in Form einer mukopurulenten Keratokonjunktivitis mit Lidschwellung. Bei etwa 1–2 % der Patientinnen und Patienten mit Tuberkulose kommt es zu okulären Manifestationen, insbesondere zu Uveitis. Besonders die sogenannten VFR*, also Menschen, die Freunde oder Verwandte in Endemiegebieten besuchen, haben ein erhöhtes Risiko für diese Infektion. Eine Konjunktivitis, Iritis oder Iridozyklitis kann bei Reisenden in seltenen Fällen auch Hinweis auf eine Borrelieninfektion sein.

Infekte durch Pilze, allen voran durch Angehörige der Gattungen Aspergillus und Fusarium, manchmal auch Mikrosporidien, betreffen fast immer die Hornhaut. An eine pilzbedingten Keratitis sollte man besonders bei Reiserückkehrenden aus Südasien denken, die bei Outdooraktivitäten eine Augenverletzung durch Pflanzen erlitten haben. Auch für Trägerinnen und Träger von Kontaktlinsen haben ein gewisses Risiko für okuläre Pilzinfektionen, wenn der hygienische Umgang mit den Haftschalen nicht gewährleistet ist. Candida- und Histoplasma-Arten sind auch bei immunkompetenten Menschen in der Lage, eine endogene Endophthalmitis hervorzurufen.

Parasiten können verschiedene Strukturen des Auges befallen. Toxoplasmen führen vor allem zu einer fokalen Chorioretinitis, Acanthamoeba zu Keratitis. Okuläre Manifestationen wie Retinopathie und Optikusneuritis kommen auch bei Malaria vor. Die mukokutane Leishmaniose kann ebenfalls mit Augensymptomen wie nodulären Läsionen am Lid, Konjunktivitits oder Keratitis einhergehen und muss bei Rückkehrenden aus Endemiegebieten in Betracht gezogen werden. Schließlich gibt es eine Reihe von Wurm- und Ektoparasiteninfekten, die sich okulär manifestieren können.

*visiting friend and relatives

Quelle: Norman FF et al. Travel Med Infect Dis 2025; 63: 102789; doi: 10.1016/j.tmaid.2024.102789