Teuer und mittelmäßig Jeder dritte Deutsche ist unzufrieden mit dem Gesundheitswesen

Gesundheitspolitik Autor: Jan Helfrich

Wuchsen die Zufriedenheitswerte mit dem Gesundheitssystem bis 2021 kontinuierlich, kehrt sich dieser Trend nun um. Wuchsen die Zufriedenheitswerte mit dem Gesundheitssystem bis 2021 kontinuierlich, kehrt sich dieser Trend nun um. © lungkeemao - stock.adobe.com (Generiert mit KI)

Der Anteil der Bürgerinnen und Bürger, die sich unzufrieden über das Gesundheitssystem äußern, hat sich seit 2021 verdreifacht. Das besagt der „TK-Meinungspuls 2025“. Dabei ist ein funktionierendes Gesundheitswesen enorm wichtig für das Vertrauen in die Demokratie.

Wuchsen die Zufriedenheitswerte mit dem Gesundheitssystem bis 2021 kontinuierlich, kehrt sich dieser Trend nun um, erklärt Dr. Jens Baas, Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK). Er bezieht sich hierbei auf eine akutelle Befragung durch das Forschungsinstitut Forsa.
Vor allem mittelalte Menschen sind überdurchschnittlich unzufrieden mit dem Gesundheitssystem, sagt Peter Wendt, Meinungsforschungsexperte bei der TK. 36 % der Menschen in ihren 40ern, 33 % in ihren 30ern sowie 32 % der Menschen in ihren 50ern sind unzufrieden mit dem Gesundheitssystem, während der Durchschnitt bei 30 % liegt. 

„Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt, aber in sämtlichen Bereichen werden nur mittelmäßige Qualitäten erzielt“, so Dr. Baas. „Viele haben das Gefühl, dass dieses System, für das sie immer mehr zahlen, immer schlechter funktioniert.“ Ende 2024 registrierten die gesetzlichen Krankenkassen ein Minus von sechs Milliarden Euro.

Speziell die Unzufriedenheit mit den Facharztpraxen wächst. Waren 2017 rund 27 % der Befragten weniger zufrieden oder unzufrieden, sind es heute 38 %. Die langen Wartezeiten missfallen 62 % der Befragten. 

Als mögliche Lösung stellt sich Dr. Baas eine digitale Ersteinschätzung gesundheitlicher Probleme vor. Patientinnen und Patienten könne dann schneller ein passender Behandlungspfad empfohlen werden, etwa eine digitale Versorgung oder ein haus- bzw. fachärztlicher Termin.

Mehrheit ist für Reformen im Gesundheitssystem

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger Reformen wünschen. Sei es die finanzielle Schieflage der Kranken- und Pflegeversicherung oder die Kostenexplosion bei den Arzneimitteln – die Politik habe zu viele drängende Fragen ausgesessen, sagt Dr. Baas.

Die große Mehrheit der Befragten (94 %) rechnet mit einem weiteren Anstieg der Beitragszahlungen. Um diesen zu dämpfen, schlägt der TK-Chef einen höheren Herstellerrabatt auf neue Arzneimittel vor; das könnte den Kassen Ausgaben von zwei Milliarden Euro pro Jahr ersparen. Um weitere neun Milliarden Euro jährlich könnten die Kassen entlastet werden, wenn die Regierung ihrer Verpflichtung zur Finanzierung der Beiträge für Bürgergeldempfängerinnen und -empfänger nachkommen würde.

Viele Bürgerinnen und Bürger sind bereit, sich auf Neues einzulassen. Beispielsweise finden es 89 % sehr gut oder gut, wenn Pflegekräfte oder medizinisches Fachpersonal bestimmte Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten übernehmen. Die geplante Krankenhausreform stößt bei 72 % auf Zustimmung. Die Digitalisierung wird als Chance gesehen. 81 % buchen bereits regelmäßig ihre Arzttermine online oder haben vor, dies künftig zu tun. 77 % würden ihre Krankengeschichte digital in einem Anamnesebogen vor einem Arzttermin erfassen. Außerdem möchten 75 % die ePA nutzen.

Ungelöste Missstände spielen Populisten in die Karten

Werden die Missstände im Gesundheitswesen zu lange missachtet, kann das dem Populismus in die Karten spielen, so der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schröder von der Universität Kassel. „Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist eine tragende Säule unseres Sozialstaats und damit enorm wichtig für das Vertrauen in die Demokratie.“ Es sei essenziell für eine stabile Demokratie, dass alle Menschen gleichermaßen an einer guten Versorgung teilhaben können. Gleichzeitig müssten die Kosten für sie gut tragbar sein.

Quelle: Pressemitteilung – Techniker Krankenkasse