
Kloß im Hals vom Jod

Bei einer 50-jährigen Patientin mit kutanem T-Zell-Lymphom erfolgte eine PET/CT mit jodhaltigem Kontrastmittel. Rund 20 Stunden später klagte die Frau über ein Engegefühl im Rachen und leichte Schluckstörungen. Ihr Hals war deutlich angeschwollen.
Weil sich die Symptome zusehends verstärkten, stellte sich die Frau in der Notaufnahme vor. Die Kollegen dort vermuteten ein allergisches Angioödem und behandelten mit Clemastin und Methylprednisolon i.v., jedoch ohne Erfolg. Bei leichtem Rückgang der Schwellung unter der Gabe von Levocetirizin und Prednison wurde die Patientin am nächsten Tag entlassen.
Zur Abklärung schlossen sich Prick- und Intradermaltests mit einer Kontrastmittelreihe an, mit negativem Ergebnis. Laborwerte wie Gesamt-IgE, Mastzelltryptase, Komplementanalytik und Schilddrüsenwerte waren gleichfalls unauffällig. Auf eine Provokation mit 5%iger Jod-Kaliumjodid-Lösung reagierte die Patientin dann aber innerhalb von zwölf Stunden mit einer derben Schwellung der Submandibulardrüsen beidseits ohne Entzündungszeichen. Damit konnten die Ärzte die Diagnose jodassoziierte Sialoadenopathie, auch als Jodmumps bekannt, stellen. Diese Komplikation ist nicht selten, betonen die Autoren. Die Frau erhielt einen Allergiepass für jodierte Kontrastmittel und jodhaltige Medikamente.
Jodmumps kann innerhalb von Minuten auftreten
Allerdings ist Jodmumps ebenso wie die Jodakne keine Allergie, sondern eine idiosynkratische Reaktion auf Jod, schreiben Prof. Dr. Andreas Bircher vom Universitätsspital Basel und PD Dr. Kathrin Scherer Hofmeier, Kantonsspital Aarau. Der genaue Pathomechanismus der Überempfindlichkeitsreaktion ist nicht geklärt. Typischerweise entwickelt sich der Jodmumps innerhalb von Minuten bis zu einem Tag nach Exposition gegenüber jodhaltigen Substanzen, insbesondere gegenüber entsprechenden Kontrastmitteln.
Die derbe, gelegentlich druckdolente oder spontan schmerzhafte Schwellung betrifft vor allem die Glandulae submandibulares und die Glandulae sublinguales, seltener die Parotiden. In der Sonografie und Histologie fällt die Jodsialoadenopathie lediglich durch ein Ödem der Speicheldrüsen auf, ausgeprägte entzündliche Veränderungen fehlen. Dass die Reaktion auf das Jod selbst zurückzuführen ist, belegt die erneute Speicheldrüsenschwellung nach Reexposition gegenüber der Jod-Kaliumjodid-Lösung.
Häufig wird Jodmumps mit einem allergischen Angioödem als Reaktion auf Kontrastmittel verwechselt und mit Kortikosteroiden und Antihistaminika behandelt. Beides könne man sich getrost sparen, schreiben Prof. Bircher und Dr. Scherer Hofmeier. Denn die jodassoziierte Sialoadenopathie verschwindet innerhalb von Stunden oder einigen Tagen spontan und bedarf keinerlei Therapie.
Was ist aber, wenn Patienten, die mit Jodmumps reagiert haben, später erneut eine Untersuchung mit Kontrastmittel benötigen? In diesen Fällen sollte man auf Gadoliniumderivate zurückgreifen, so die Autoren.
Quelle: Bircher AJ, Scherer Hofmeier K. „Akute Schwellung im Halsbereich nach jodhaltigem Kontrastmittel – der oft unerkannte Jodmumps anhand von drei Fallbeispielen“, Akt Dermatol 2023; 49: 52-57 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, New York
Falls Sie diesen Medizin Cartoon gerne für Ihr nicht-kommerzielles Projekt oder Ihre Arzt-Homepage nutzen möchten, ist dies möglich: Bitte nennen Sie hierzu jeweils als Copyright den Namen des jeweiligen Cartoonisten, sowie die „MedTriX GmbH“ als Quelle und verlinken Sie zu unserer Seite https://www.medical-tribune.de oder direkt zum Cartoon auf dieser Seite. Bei weiteren Fragen, melden Sie sich gerne bei uns (Kontakt).