Richtig essen bei Crohn und Colitis Neue Empfehlungen zu Ernährung und Supplementen

Autor: Dr. Dorothea Ranft

In der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spielt Ernährung eine wichtige Rolle. In der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spielt Ernährung eine wichtige Rolle. © mi_viri - stock.adobe.com

In der Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen spielt Ernährung eine wichtige Rolle. Viele Betroffene suchen deswegen hausärztlichen Rat. Eine kürzlich aktualisierte Leitlinie fasst zusammen, was in welcher Situation zu raten ist.

Der Energiebedarf bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa unterscheidet sich nicht wesentlich von dem gesunder Menschen. Optimal für Erwachsene ist eine Zufuhr von 25–30 kcal/kgKG/d. Während aktiver Krankheitsphasen werden 30–35 kcal/kgKG/d empfohlen. Im moderaten bis schweren Schub sollte der Proteingehalt der Nahrung gesteigert werden (1,0–1,2 g/kgKG/d). In Remission genügt hingegen eine Eiweißdosis von 0,8–1,0 g/kgKG/d, heißt es in der Leitlinie der DGEM*.

Eisen oral oder intravenös supplementieren

Die häufigste extraintestinale Manifestation der CED ist die Anämie. Sie erschwert oftmals den Verlauf und kann durch Eisenmangel, chronische Erkrankung oder die Kombination aus beidem ausgelöst werden. Durch eine Fe-Supplementierung möchte man ein Defizit ausgleichen und die Speicher auffüllen. Orales Eisen kommt bei Fe-Mangel oder leichter Blutarmut infrage, wenn die Erkrankung inaktiv ist und keine Intoleranz gegenüber dieser Darreichungsform besteht. Die intravenöse Gabe kann bei aktiver CED, früherer Unverträglichkeit von oralem Eisen und bei einem Hämoglobinwert < 10 g/dl erwogen werden. Selbiges gilt unter einer Behandlung mit Medikamenten, die die Erythropoese steigern.

Menschen mit Morbus Crohn leiden nicht selten an Malabsorption, Fehlverdauung und Resorptionsstörungen, was ernährungstherapeutisch berücksichtigt werden sollte. Bei Darmstenosen oder Strikturen und obstruktiven Symptomen kann eine Kost mit angepasster Konsistenz und Ballaststoffqualität (löslich, fermentierbar) hilfreich sein. Unter Umständen ist auch eine ausschließliche Formulanahrung indiziert.

Detaillierte Empfehlungen für die Ernährung

Eine gemüsereiche Kost, die viel Omega-3- und wenig Omega-6-Fettsäuren enthält, fördert die intestinale Gesundheit. Hochverarbeitete Lebensmittel und Emulgatoren wie Carboxymethylcellulose sollten der aktualisierten Leitlinie zufolge eher gemieden werden. Denn Studien haben ergeben, dass sie möglicherweise entzündungsfördernd wirken und dadurch die Entstehung einer CED begünstigen könnten. Zudem ist ein normales Körpergewicht anzustreben, da Adipositas insbesondere die Entwicklung eines Morbus Crohn begünstigt. 

Eine der häufigsten extraintestinalen CED-Komplikationen ist die Osteoporose. Aktiv erkrankte Erwachsene und Kinder, die mit systemischen Steroiden behandelt werden oder bereits Zeichen einer Vitamin-D-Unterversorgung aufweisen, sollten diesbezüglich überwacht werden. Bei Defiziten ist eine Supplementierung mit dem Vitamin sowie zusätzlich mit Kalzium angezeigt.

Für Remissionsphasen wird eine mediterrane Kost empfohlen. Erfahrungsgemäß treten bei CED jedoch häufig Unverträglichkeiten auf. Dann sollten zunächst individuelle Symptomauslöser geprüft werden, bevor man sich zu weitreichenden Karenzmaßnahmen entschließt.

Wenn mehr als 20 cm des distalen Ileums entfernt wurden bzw. ein Vitamin-B12-Defizit vorliegt, ist beim Crohn eine Supplementierung angeraten. Personen mit CED und erhöhtem Risiko für einen Folsäuremangel sollten prophylaktisch Vitamin B9 einnehmen.

Von oralen Nahrungssupplementen oder enteraler Ernährung können an Morbus Crohn Erkrankte in Remission profitieren, deren unzureichende Versorgung sich durch eine konventionelle Ernährungstherapie nicht beheben lässt. Eine Gewichtsreduktion wird für adipöse CED-Kranke nur in Phasen einer stabilen Remission empfohlen. 

* Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin

Quelle: S3-Leitlinie „Klinische Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“; AWMF-Register-Nr. 073-027; www.awmf.org