Einfache Maßnahmen lindern die Nebenwirkungen von Psychopharmaka

Michael Brendler/Maria Fett

Ein Löffel Erdnussbutter schützt den Magen vor Schleimhautirritationen Ein Löffel Erdnussbutter schützt den Magen vor Schleimhautirritationen © iStock/gojak

Unliebsame Begleiterscheinungen von Medikamenten stellen Patienten wie Ärzte auf eine harte Belastungsprobe. Dabei kann man die Probleme häufig bereits mit simplen Kniffen in den Griff bekommen.

Um die Ängste vor unerwünschten Arzneimittelwirkungen zu nehmen, muss ein Arzt schon etwas Fingerspitzengefühl walten lassen. Eine kritische Haltung gegenüber den Medikamenten oder die Bedenken seiner Patienten gar zu verharmlosen, verstärkt die Probleme eher noch. Viele Nebenwirkungen von Psychopharmaka lassen sich allerdings nicht vermeiden und ein Therapieverzicht stellt bei schweren psychiatrischen Erkrankungen in aller Regel keine Option dar.

Es gibt jedoch Mittel und Wege, wie sich Betroffene mit den Präparaten arrangieren können. Autoren um Dr. Anna­ Grunze­ vom Zentrum für Psychiatrie Nordbaden in Wiesloch erklären, wie‘s klappt.

Bei selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) tritt z.B. Übelkeit oft nur anfänglich und zeitlich begrenzt auf. Dann kann ein Zuwarten lohnen, sofern das der Patient akzeptiert. Gegen Übelkeit durch SSRI oder dopaminerge Medikamente wie Pramipexol an sich kann schon eine langsamere Titration oder die Einnahme nach den Mahlzeiten helfen.

Ein Löffel Erdnussbutter schützt den Magen

Für Präparate wie das atypische Neuroleptikum Quetiapin, die nüchtern genommen werden müssen, gibt es einen besonders simplen Trick: Ein Löffel Erdnussbutter vorab schützt den Magen vor Schleimhautirritationen.

Einen Appetitverlust sehen die Experten kaum als Anlass für zusätzliche Arzneien. Bittermittel wie Löwenzahn oder Wermut wirken oft appetitanregend. Zudem sollten Betroffene ihre Essenszeiten so legen, dass sie mit den niedrigsten Wirkstoffspiegeln zusammenfallen, also frühmorgens und spätabends vor der nächsten Tablette.

Häufige Mundtrockenheit wiederum vermögen manchmal schon Nahrungsmittel wie Möhren, Äpfel und Stangensellerie zu lindern, die allesamt den Speichelfluss fördern. Auch saure Drops oder Kaugummi können helfen. Mindert das die Symp­tome nicht, gibt es eine Reihe frei verkäuflicher Produkte wie glyzerinbasierte Mundstäbchen, schreiben die Autoren.

Besonders Frauen klagen über die mit trizyklischen Antidepressiva, Mirtazapin oder atypischen Antipsychotika verbundene Gewichtszunahme. Doch erst, wenn Maßnahmen wie Diät, gesünderes Essen oder mehr Sport (was generell immer zu empfehlen ist) nicht greifen, raten die Autoren dazu, auf gewichtsneutrale Medikamente umzustellen. Zur antipsychotischen Therapie bieten sich etwa die Atypika Aripiprazol oder Ziprasidon an.

Sechs Manöver für die Praxis

Persistieren unerwünschte Nebenwirkungen, sollten Ärzte abklären, wie sich diese auf das tägliche Leben der Patienten auswirken. Wie häufig und schwer ist etwa die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt? Die Autoren raten dazu, zunächst auf drei weniger invasive Maßnahmen zurückzugreifen:
  • Dosis adaptieren
  • Galenik wechseln, z.B. auf ein Retardpräparat
  • Einnahmemodalität verändern, etwa auf eine nächtliche Einmaldosis
Bessern sich die Probleme dadurch nicht, bleiben nach Meinung der Experten im Wesentlichen drei Alternativen:
  • verhaltensmodifizierende Maßnahmen
  • durch weitere Medikamente abmildern (Cave: Die meisten Mittel stehen nur off label zur Verfügung)
  • auf ein anderes Präparat wechseln

Beine überkreuzen bei orthostatischer Dysregulation

Dass man manchmal nur am Schräubchen Galenik drehen muss, zeigt das Beispiel der orthostatischen Dysregulationen, wie sie häufig mit atypischen Antipsychotika, Benzodiazepinen und Monoaminooxidasehemmern einhergehen. Ein Retardpräparat vermeidet oft die größten Konzentrationsspitzen. Ein paar Verhaltenstipps helfen zusätzlich:
  • abruptes Aufstehen und langes Stehen vermeiden
  • beim Stehen Beine kreuzen
  • viel trinken
Lösen die Medikamente selbst Müdigkeit und Schlappheit aus, raten die Experten um Dr. Grunze, zu einem stimulierenden Präparat zu wechseln. Im Falle von Antidepressiva also z.B. auf einen SSRI.

Quelle: Grunze A et al. Dtsch Med Wochenschr 2017; 142: 1690-1700

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Ein Löffel Erdnussbutter schützt den Magen vor Schleimhautirritationen Ein Löffel Erdnussbutter schützt den Magen vor Schleimhautirritationen © iStock/gojak