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Leberkrebs: Immunkombination für Senioren erwägen

Als „practice changing“ bezeichnete Dr. Daneng Li die Erstlinientherapie mit Atezolizumab und Bevacizumab bei Patienten mit hepatozellulären Karzinomen (HCC). Grundlage für diese Aussage bildeten die Ergebnisse von IMbrave 150, in der die Immunkombination im Vergleich zum Standard Sorafenib sowohl das progressionsfreie Überleben (PFS) als auch das Gesamtüberleben (OS) verlängerte.1
Da bisher nur unzureichende Daten zur Effektivität und Sicherheit einer systemischen Therapie bei Älteren mit HCC existierten, führten Forscher um den Onkologen vom City of Hope Comprehensive Cancer Center and Beckmann Research Institute in Duarte eine Subgruppenanalyse durch. Mit 161 Patienten im Prüfarm und 91 in der Kontrolle war jeweils etwa die Hälfte mindestens 65 Jahre alt. Sie wurden mit Teilnehmern bis 64 Jahren verglichen.
IMbrave 150 im Überblick
Medianes Gesamtüberleben wurde nicht erreicht
Beide Gruppen profitierten „klinisch relevant“ von der Immunkombination, erklärte Dr. Li. Während Menschen ab 65 Jahren mit Sorafenib median 14,9 Monate lebten, wurde im Prüfarm für sie das mediane OS nicht erreicht (Hazard Ratio [HR] 0,58; 95 %-KI 0,36–0,92). Ähnliche Ergebnisse beobachteten die Autoren für Patienten jünger als 65 Jahre – auch für sie blieb das mediane OS im Beobachtungsarm aus, unter dem Standard betrug es hingegen 11,4 Monate (HR 0,59; 95 %-KI 0,38–0,91). Hinsichtlich des medianen PFS ergab sich für Atezolizumab plus Bevacizumab ebenfalls ein Vorteil gegenüber Sorafenib mit 7,7 Monaten vs. 4,8 Monate bei Älteren und 6,7 Monaten vs. 2,9 Monate bei Jüngeren (HR 0,63; 95 %-KI 0,45–0,89 bzw. HR 0,50; 95 %-KI 0,36–0,71). Zudem fiel die Gesamtansprechrate im Prüfarm besser aus als in der Kontrolle mit 26 % vs. 13 % bei mindestens 65-Jährigen und 29 % vs. 10 % bei maximal 64-Jährigen. Unter der Kombination erreichten sieben ältere und elf jüngere Teilnehmer ein komplettes Ansprechen im Vergleich zu keinem Patienten in der Vergleichsgruppe. Die Autoren untersuchten weiterhin die Lebensqualität abhängig vom Alter und der Behandlung. Im Beobachtungsarm war die Zeit, bis sich u.a. körperliche Funktionalität und Lebensqualität verschlechterten, länger als unter dem Standard (HR 0,48 und HR 0,71 für ältere Patienten bzw. HR 0,6 und HR 0,57 für jüngere). Die Ergebnisse der Personen ab 65 Jahren sind besonders hervorzuheben, betonte Dr. Li, da sie häufiger unter Komorbiditäten litten als Jüngere.Sicherheitsprofil ohne Überraschungen
Durch die duale Therapie traten bei 39 % der älteren und bei 32 % der jüngeren Teilnehmer Nebenwirkungen vom Schweregrad 3 oder 4 auf. Die Gruppe ab 65 Jahren litt grundsätzlich etwas häufiger an Bluthochdruck (32 % vs. 27 %), Fatigue (27 % vs. 14 %), Diarrhö (22 % vs. 16 %) und vermindertem Appetit (20 % vs. 15 %) als die Gruppe der bis 64-Jährigen. Aufgrund der Behandlung starben 3 % bzw. 1 %. Die Ergebnisse stimmen mit dem bekannten Sicherheitsprofil von Atezolizumab und Bevacizumab überein, so Dr. Li. Sein Fazit: Die Immunkombination bringt sogar für ältere HCC-Patienten Vorteile und sollte daher auch für sie erwogen werden.Quellen:
1. Cheng AL et al. Annals of Oncology 2019; Supplement 9: Abstract LBA 3
Li D et al. ESMO World Congress of Gastrointestinal Cancer 2020 Virtual; Oral 8
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