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Lungentransplantation: Expertenmeinungen bestimmen das Vorgehen

Auch wenn sich in den letzten 30 Jahren viel getan hat, gibt es bei Lungentransplantationen immer noch mehr offene Fragen als eindeutig belegte Lösungen, betonen Dr. David Abelson und Professor Dr. Allan Robert Glanville von der Lung Transplant Unit des St. Vincent’s Hospital in Sydney. Bis eine ausreichende Evidenz erreicht ist, bestimmen Expertenmeinung und praktische Erfahrung das Vorgehen.
Lebensqualität geht im Score weitgehend unter
Zunächst müssen die behandelnden Ärzte entscheiden, wen sie auf die Warteliste für eine Lungentransplantation (LTX) aufnehmen. Zwar gibt es eine Reihe absoluter Kontraindikationen, z.B. aktuelles Malignom, aktive Tuberkulose oder Abhängigkeitserkrankungen. Was aber tun bei Patienten ohne solche No-Gos, aber mit multiplen Risikofaktoren für ein Transplantatversagen?
In solchen Fällen soll der Lung Allocation Score (LAS) weiterhelfen (s. Kasten) und die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Transplantation angeben, erklären die Experten. Er weist allerdings zwei wesentliche Einschränkungen auf: Erstens lässt es sich weiterhin nur schwer vorhersagen, welcher Patient sterben und welcher überleben wird. Hierfür reichen Sensitivität und Spezifität der Risikoberechnungen schlichtweg nicht aus.
Lung Allocation Score – Hilfe bei der Vergabe von Spenderlungen
- Alter und Gewicht,
- Diagnose,
- Leistungsfähigkeit,
- Begleiterkrankungen,
- aktuellen Sauerstoffbedarf und aktuelle Atemunterstützung sowie
- Blutgaswerte.
Spender ohne Risikofaktoren gibt‘s nur selten
Die nächste Frage betrifft den möglichen Spender. Als „ideale“ Charakteristika gelten u.a.- hirntote, beatmete Patienten bis zum 55. Lebensjahr,
- unauffälliges Röntgenbild des Thorax ohne Infektionen,
- gute Oxygenierung unter reinem Sauerstoff sowie
- Nicht- oder Wenigraucher.
Im Zweifel nur einen Lungenflügel verpflanzen?
In solchen Fällen können sogenannte erweiterte Donorkriterien zum Tragen kommen, schreiben Dr. Abelson und Prof. Glanville. Diese akzeptieren etwa auch Organe nach gesichertem Herz-Kreislauf-Stillstand oder Organe älterer Spender. Ein Pendant zum Lung Allocation Score im Sinne eines Risikoscores für Spenderorgane, mit dessen Hilfe Entscheidungen auf eine rationalere Basis gestellt werden könnten, existiert derzeit nicht.Den passenden Patienten fürs Organ zu finden, ist alles andere als leicht
Welcher Patient im Einzelfall für das Organ infrage kommt, ist ebenso umstritten. Hauptfaktoren, die eine Rolle spielen, sind Dringlichkeit, Alter, Größe und immunologische Kriterien. Die Bestimmung ist nicht leicht. So kann zum Beispiel eine vermeintliche Größenübereinstimmung von Spender und Empfänger gewaltig in die Irre führen: Bei chronisch obstruktiven Erkrankungen scheint die Thoraxhöhle vergrößert, bei restriktiven Erkrankungen dagegen verkleinert, sodass Transplantationschirurgen meist einen Mittelweg zwischen den Extremwerten wählen. Möglicherweise ist zukünftig die Einzellungen-Transplantation die Lösung für solche Fälle. Durch sie ließe sich gleichzeitig die Zahl der möglichen Spenderorgane deutlich steigern. Eines der glücklicherweise weniger umstrittenen Themen ist die Immunsuppression nach LTX: Die Patienten erhalten im Allgemeinen hoch dosiert Methylprednisolon, einen Calcineurininhibitor (Cyclosporin A oder Tacrolimus) und einen Zellzyklusinhibitor (Mycophenolat-Mofetil oder Azathioprin). Der routinemäßige Einsatz einer Induktionstherapie (Anti-Thymozyten-Globulin oder Basiliximab) steht dagegen schon wieder auf der Liste der Kontroversen.Transplantierte überleben nur etwa 5–7 Jahre
Auch wenn die Ein-Jahres-Überlebensrate nach Lungentransplantation mittlerweile bei über 90 % liegt, beträgt die Gesamtüberlebensdauer noch immer nur ca. fünf bis sieben Jahre. Für diese ungünstige Langzeitprognose ist vor allem die chronische Transplantatdysfunktion (CLAD) verantwortlich, erläutern die Spezialisten. Derzeit befasst sich die Wissenschaft vor allem mit der Behandlung des Syndroms. Viele, aber nicht alle Patienten sprechen gut auf Azithromycin an. Ein ganz anderer Ansatz ist die Endotypisierung, die bei Asthmaerkrankungen den Weg zu gezielteren Therapien geebnet hat. Sie könnte auch bei der Lungentransplantation zu einem tieferen Verständnis der Abläufe beitragen, das nötig ist, um die CLAD zu verhindern, so die Autoren abschließend.Quelle: Abelson D, Glanville AR. Breathe 2018; 14: 278-287
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