Differenzierung zwischen luminalen und basalen Tumoren auch für mCRPC möglich

Josef Gulden

Auch beim metastasierten Prostatakrebs hilft es zu wissen, um welchen Tumortyp es sich handelt. Auch beim metastasierten Prostatakrebs hilft es zu wissen, um welchen Tumortyp es sich handelt. © iStock/Dr_Microbe

Luminal oder basal? Diese Unterscheidung lässt es zu, eine Aussage über die Prognose des frühen Prostatakarzinoms zu treffen. Laut den Ergebnissen einer retrospektiven Analyse von vier Kohorten gilt das auch für metastasierte, kastrationsresistente Tumoren.

Um das Risiko für Männer mit lokalisiertem Prostatakrebs einzuschätzen, werden sie entsprechend ihres molekularen Profils u.a. in basale und luminale Subtypen klassifiziert. Während die Luminal-A-Unterform kaum metastasiert, sind Luminal-B-Tumoren durch eine verstärkte Aktivität des Androgenrezeptor-Signalwegs (AS) und eine höhere Aggressivität charakterisiert. Letztere sprechen besonders gut auf eine Androgendeprivations-Therapie an. Die klinische Anwendbarkeit der Befunde wird derzeit in einer großen multizentrischen Studie geprüft.

Ossäre Metastasen sind herausfordernd

In metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinomen (mCRPC) sind diese Zusammenhänge bisher kaum untersucht – auch weil es nicht so einfach ist, die in der Regel ossären Metastasen zu biopsieren. In der CHAARTED-Studie zum metastasierten, hormonnaiven Prostatakrebs fanden sich praktisch keine Luminal-A-Subtypen, was indirekt dessen gute Prognose unterstreicht. US-amerikanische Kollegen um Professor Dr. ­Rahul ­Aggarwal, University of Wisconsin, Madison, versuchten nun, anhand einer retrospektiven Analyse von vier Kohorten insbesondere den Luminal-B- und den basalen Subtyp sowie deren molekulare Signaturen und Prognose zu identifizieren.

Medianes Gesamtüberleben steigt von 19 auf 33 Monate

Von den insgesamt 634 Teilnehmern wiesen 45 % luminale und 55 % basale Tumoren auf. Die Forscher detektierten 59 kleinzellige/neuroendokrine Prostatakarzinome, von denen 90 % der basalen Form angehörten. Für zwei der vier Kohorten waren Überlebensdaten verfügbar. In der ECDT*-Kohorte erwies sich ein luminaler Krebs mit einem medianen Gesamtüberleben von 33,1 Monaten vs. 18,7 Monate als prognostisch deutlich günstiger als ein basaler Subtyp (Hazard Ratio 0,39; p = 0,004). Ähnliches galt für Teilnehmer der WCDT**-Kohorte; allerdings profitierten Personen mit luminaler Unterform im Vergleich zur basalen nur dann, wenn sie eine AS-Inhibitor-Therapie erhalten hatten (HR 0,57; p = 0,04).

Weiterhin lebten Patienten mit luminalen Karzinomen und einer AS-Hemmer-Behandlung mit 32 Monaten vs. 8,7 Monaten signifikant länger als solche Erkrankte aus der gleichen Tumorgruppe, die diese Substanzen nicht erhalten hatten (HR 0,27; p < 0,001). Für Männer mit basalem Prostatakrebs war der Vorteil nicht statistisch signifikant (HR 0,62; p = 0,07), wohl hingegen die Interaktion zwischen dem Subtyp und der hormonellen Behandlung (HR 0,42; p = 0,02).

Dies, so die Autoren, ist die bislang größte klinische, transkriptomische und genomische Analyse des mCRPC. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch das metastasierte Prostatakarzinom in luminale und basale Unterformen eingeteilt werden kann. 

Genexpressionsmuster sind verschieden

Ähnlich wie in primären Prostatakarzinomen waren in den mCRPC-Proben vor allem die luminalen Tumoren von einer Überexpression des Androgenrezeptor-Signalwegs geprägt. Die Autoren fanden Alterationen im Tumorsuppressorgen RB1 mit 23 % vs. 4 % häufiger in den basalen als in den luminalen Subtypen (p < 0,001). Gleiches galt für FOXA1 (36 % vs. 27 %; p = 0,03) und MYC (73 % vs. 56 %; p < 0,001).

Offenbar profitieren hier – ebenso wie beim primären Prostatakrebs – Erkrankte mit luminalen Tumoren stärker von den modernen Hormontherapien, während deren Wirksamkeit im basalen Subtyp weniger stark ausgeprägt ist. Hier sollte man vielleicht eher eine Chemotherapie in Erwägung ziehen, auch im Hinblick auf die Ähnlichkeit zum kleinzelligen Karzinomtyp. Natürlich aber muss eine solche Empfehlung, bevor man sie generell aussprechen kann, zuerst in prospektiven Studien bestätigt werden, betonen die Wissenschaftler.

* East Coast Dream Team
** West Coast Dream Team

Quelle: Aggarwal R et al. JAMA Oncol 2021; 7: 1644-1652; DOI: 10.1001/jamaoncol.2021.3987

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Auch beim metastasierten Prostatakrebs hilft es zu wissen, um welchen Tumortyp es sich handelt. Auch beim metastasierten Prostatakrebs hilft es zu wissen, um welchen Tumortyp es sich handelt. © iStock/Dr_Microbe