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Rosazea braucht Feuchtigkeit, Sonnenschutz und topische Therapie
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Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesichtshaut, deren Prävalenz bei bis zu 22 % liegt. Die klinische Präsentation kann variieren – im Allgemeinen werden vier Subtypen unterschieden. Dabei stehen jeweils unterschiedliche Symptome im Vordergrund, allerdings kommen auch Misch- und Sonderformen vor.
- Beim Subtyp I, der erythematös-teleangiektatischen Rosazea, treten Teleangiektasien und/oder Erytheme auf. Die Periorbitalregion ist oft nicht betroffen.
- Subtyp II ist durch Papeln und Pusteln gekennzeichnet, weshalb man hier auch von papulopustulöser Rosazea spricht. Symptome aus anderen Subtypen kommen ebenfalls häufig vor.
- Sind die Talgdrüsen und das Bindegewebe der Nase von einer Hyperplasie betroffen, handelt es sich meist um Subtyp III, die phymatöse Rosazea. Auch andere Organe wie Oberlippe, Ohren oder Stirn können vergrößert sein.
- Ungefähr die Hälfte aller Rosazeapatienten leidet unter Augenbeschwerden wie chronischen Bindehaut-, Lidrand- oder Hornhautentzündungen – häufig bereits bevor die ersten Hautmanifestationen auftreten. Bei der okulären Rosazea (Subtyp IV) ist eine möglichst frühzeitige Vorstellung beim Augenarzt wichtig.
Zu den Sonderformen zählen zum einen die steroidassoziierte Rosazea, die nach langfristiger lokaler Steroidtherapie bzw. unter systemischen Glukokortikoiden auftreten kann. Darüber hinaus gibt es die Rosazea fulminans, die vor allem bei jungen schwangeren Frauen vorkommt, die granulomatöse bzw. lupoide Rosazea, die durch bräunlich-rötliche Papeln und Knoten um Augen, Mund und Wangen gekennzeichnet ist, sowie der Morbus Morbihan, der sich durch ein derbes Lymphödem mit persistierendem Erythem präsentiert und hauptsächlich bei Männern auftritt.
Es ist eine Rosazea entsprungen
Kostenübernahme nicht immer gesichert
Die unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbilder scheinen ein jeweils eigenes pathogenetisches Muster aufzuweisen, erklären Anna Lohbeck von der Abteilung für Dermatologie am Universitätsspital Zürich und Kollegen. Das eröffne Möglichkeiten für eine zukünftige individualisierte Therapie. Grundsätzlich lässt sich die Rosazea aber bereits heute effektiv behandeln. Allerdings können viele der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen nur off label verordnet werden, sodass eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse nicht immer gesichert ist. Allen Rosazeapatienten wird eine Trias aus täglicher feuchtigkeitsspendender, nicht-fettender Hautpflege, Sonnenschutz (mindestens LSF 30) und Verzicht auf individuelle Triggerfaktoren als Basisbehandlung empfohlen.Topische Therapie der Rosazea-Subtypen I und II | |||
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Wirkstoff | Wirkung | Wichtige Nebenwirkungen | Anwendung |
Brimonidin | vasokonstriktorisch, antiinflammatorisch, ödemreduzierend | mögliche Verstärkung des Erythems und des Flushing | Subtyp I mit Erythem: 0,33–1%iges Gel einmal täglich |
Azelainsäure | antiinflammatorisch, keratolytisch | Hautirritationen | Subtyp II: 15%iges Gel oder Creme ein- bis zweimal täglich; ggf. auch bei Subtyp I |
Metronidazol | antiinflammatorisch, immunsupprimierend | Typ-4-Sensibilisierung im Verlauf | Subtyp II: 0,75–1%ige Creme oder Gel zweimal täglich über sechs Wochen, ggf. über Jahre (keine Resistenzbildung); ggf. auch bei Subtyp I |
Erythromycin | antiinflammatorisch | Hautirritationen, Austrocknen der Haut mit übermäßiger Nachfettung in der Folge | Subtyp II: 2%iges Gel |
Ivermectin | antiinflammatorisch, antiparasitär | Brennen der Haut, Typ-4-Sensibilisierung im Verlauf | Subtyp II: 1%ige Creme einmal täglich bis zu vier Monate (Wiederholung möglich) |
Benzoylbenzoat | antiparasitär | Hautirritationen | Subtyp II: 5–10%iges Benzoylbenzoat/Clindamycin-Gel |
Permethrin | antiparasitär | - | Subtyp II: 5%ige Creme in Kombination mit oralem Ivermectin |
Pimecrolimus | antiinflammatorisch | Flush, Verstärkung der Rosazea bei Alkoholkonsum unter Therapie | Subtyp II: 1%ige Creme zweimal täglich; ggf. auch bei Subtyp I mit therapieresistentem Erythem |
Tacrolimus | antiinflammatorisch | Symptomverschlechterung, Flush, Brennen der Haut | Subtyp I mit Erythem: zweimal täglich |
Retinoide | antiinflammatorisch, keratolytisch | starke Hautirritation | bei Subtyp II: Retinoide, Tretinoin 0,025 % oder Adapalen-Gel abends |
Isotretinoin nicht mit Tetrazyklinen kombinieren
Laser- und lichtbasierte Therapien bieten sich für die Rosazeatypen I–III an, finden aber vor allem bei Subtyp I Anwendung. Für die topische Behandlung der Stadien I und II stehen diverse Wirkstoffe zur Verfügung (s. Tabelle). Vor allem beim Subtyp II kommen auch systemische orale Therapien zum Einsatz:- Doxycyclin: 40 mg täglich über 3–6 Monate (alternativ Tetrazyklin)
- Isotretinoin: 0,15–0,3 mg/kgKG täglich (Cave: Teratogenität; nicht mit Tetrazyklinen kombinieren)
- Azithromycin: 500 mg dreimal wöchentlich für 4–6 Wochen (alternativ Clarithromycin)
- Metronidazol: 200 mg zweimal täglich über zwei Wochen
Quelle: Lohbeck A et al. Ther Umsch 2019; 76: 84-91; doi.org/10.1024/0040-5930/a001067
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